Geschichten aus Plankstadt

Hier haben wir für Sie Wissens- und Lesenswertes von und über Plankstadt zusammengestellt .... zum Schmunzeln.
Viel Spaß dabei.



LANDLEBEN: Fahrende „Geschäftsleute“ verkauften frisches Gemüse, Garn, Knöpfe und Schuhfett / Pferdeäpfel waren bei den Anwohnern sehr beliebt
Der „Hoasebelz“ sammelte die Felle

Plankstadt. In früherer Zeit war die Hasenzucht in der Bevölkerung weit verbreitet und der Stallhase war ein wertvoller Fleischlieferant für den häuslichen Festtagstisch. Davon zeugen auch Ausdrücke wie „Isch hoag’ da oani ins G’nick wie’eme Schdallhoas!“ (Ich hau’ dir eine ins Genick wie einem Stallhasen), was auf die Art der Tötung hinwies und natürlich auch im Gegensatz zu heute von jedem verstanden wurde. So gab es einen Mann – ich glaube, er kam aus Oftersheim, der regelmäßig mit seinem Fahrrad durch die Ortsstraßen fuhr und mit lauter und heiserer Stimme rief „Hoasebelz“, was sagen wollte, dass er die abgezogenen Felle der geschlachteten Stallhasen sammelte. Kein Wunder, dass er bei Jung und Alt nur „Hoasebelz“ genannt wurde. Die Felle hatte er dann gebündelt auf den Gepäckträger des Fahrrads geschnallt; manche waren schon getrocknet, andere, die aus frischer Schlachtung stammten, waren noch blutig. Zum Abschluss seiner Tour durch Plankstadt machte er immer Station im Gasthaus „Zum Löwen“ in der Luisenstraße 2 bei Josef Kolb, „beim Seppl“. Das Fahrrad lehnte außen am Gasthaus mitsamt den „Hasenbelzen“, die blutig vor sich hin tröpfelten. In damaligen Zeiten war das keinerlei Erwähnung wert, man stelle sich aber den Aufschrei der Entrüstung in heutigen Zeiten vor. Unartige Kinder wurden mit pädagogisch äußerst fragwürdigen Drohungen zur Raison gebracht, indem ihnen gesagt wurde „Wann ned broav bisch, helld disch da Hoasebelz!“ (Wenn du nicht brav bist, nimmt dich der Hoasebelz mit). Die „Erholungsaufenthalte“ im Löwen waren von unterschiedlicher Dauer und mehr oder weniger intensiv, bevor sich der „Hoasebelz“ wieder mit seiner manchmal noch bluttropfenden Last auf den Heimweg machte.

Verkauf aus Körben

Besonders in der Zeit nach dem Krieg gab es viele die sich einfallsreich ein Zubrot zu ihrer oft kargen Existenz verdienten. Aus dem Odenwald kamen die Handkäs-Vetter, die Handkäse aus ihren Körben an den Haustüren anboten; auch die Meerrettich-Männer, die Meerettich-Stangen aus dem Koffer verkauften, waren viel gesehen. Bekannt war auch „der Selb“ (Namensherkunft unbekannt), ein Mann, der auf dem Gepäckträger seines Fahrrades eine Holzkiste hatte, aus der er Knöpfe, Nähgarn, Schuhfett und -creme oder Schnürsenkel anbot und die Leute mit dem Satz „Schuhbändel odda Wix – ehr Leit’ braucht’a nix?“ zum Kauf zu animieren suchte. Fast jede Woche kamen Lumpen- und Alteisenhändler mit Messerschmidt-Dreirad-Klein-Lkw und sammelten Lumpen oder Eisen ein. Dafür gab es als Belohnung ein irdenes Töpfchen oder Schüsselchen (nur 2. Wahl natürlich!) zum Dank. Der Lumpensammler sammelte tatsächlich alte Lumpen, die kein Mensch mehr gebrauchen konnte, denn an eine Altkleidersammlung wie heute war in schlechten Zeiten nicht zu denken. Alles, was noch in irgendeiner Form verwertbar bar, behielten die Leute, denn Neuanschaffungen waren meist zu kostspielig. Aus der Pfalz kam wöchentlich viele Jahre ein Gemüsehändler und verkaufte in den Ortsstraßen frisches Gemüse, denn Supermärkte gab es noch nicht und die Kolonialwarengeschäfte wurden damals nicht täglich mit frischer Ware beliefert. Mit seinem Lieferwagen hielt er an diversen Punkten in Plankstadt und pries lautstark seine Ware an. Dies brachte ihm den Namen „Pälzer Krischer“ ein.

Düngemittel für den Hausgarten

Wer weiß heute noch, was ein „Knoddlkärchl“ ist? Plankstadt war früher ein Ort, in dem die Landwirte viele Pferde hatten und diese täglich bei der Feldarbeit einsetzten. Nun hinterlassen Pferde ihre Spuren in den Straßen. Pferdeäpfel, „Knoddl“ genannt, waren ein ausgezeichnetes Düngemittel für den Hausgarten und entsprechend begehrt bei denen, die keine Pferde hatten. Hatte ein Pferd seine „Knoddl“ auf der Straße hinterlassen, stürzten sich die Anwohner sofort auf diese und brachten sie in ihre Hausgärten. Es kam auch zum Streit, wer schneller an den „Knoddln“ war. War ein Pferdefuhrwerk schon von weitem zu hören, so lauerten manche schon mit der „Schibb“ (Schaufel) hinter dem Hoftor, denn vielleicht fiel vom vorbeilaufenden Pferd etwas ab. Mindestens zwei Männer sind mir noch in Erinnerung, die mit einem kleinen Wägelchen, dem Knoddlkärchl, durch die Ortsstraßen liefen und versuchten, schneller als die Anwohner zu sein und die „Knoddl“ für den eigenen Garten aufzusammeln. Der eine war ein etwas kleiner Mann mit einem Buckel, ein Heimatvertriebener, der nach dem Krieg auf der Flucht nach Plankstadt gekommen war, der sich abmühte, die „Knoddl“ zu bekommen. So ein Knoddlkärchl Marke Eigenbau würde heute unter dem Begriff „Bollerwagen“ firmieren und wäre im Handel für eine schöne Stange Geld zu erwerben, um dann Kinder darin spazieren zu fahren oder beim Herrenausflug am Vatertag dem Provianttransport zu dienen.

Heute ist es ein Ärgernis

Welch ein Unterschied zu heute. Pferdeäpfel gibt es ganz selten auf der Straße, höchstens beim Einsatz von Hochzeits- oder Freizeitkutschen und wenn die Pferde dann etwas hinterlassen, ist dies höchstens noch ein Ärgernis, das angezeigt wird und mit dem sich das Ordnungsamt oder die Straßenreinigung beschäftigen muss. Dafür finden wir heute jede Menge Hundekot auf den Gehwegen, den niemand beseitigt – zumindest äußerst ungern – und eine Verwendung dafür gibt es schon gar nicht. Schade, dass es zu all dem Beschriebenen keine Fotos mehr gibt, solche Dinge wurden damals nicht als fotografierenswert eingestuft, abgesehen davon, dass nach dem Krieg die wenigsten über einen eigenen Fotoapparat verfügten, denn viele der Apparate waren von den Besatzungssoldaten konfisziert worden.

Uli Kobelke, 03.06.2019



Plängschda Dialekt



Veröffentlicht am 18.06.2014 in YouTube



Ein Plankstädter Haus mit alter Tradition: Das ehemalige Gasthaus "Zum Hirsch" in Plankstadt

Geht man im Jahr 2014 in der Schwetzinger Straße am Haus Nr. 26 direkt neben dem Rathaus heute vorbei, so glaubt der Ortsunkundige dem äußeren Schein nach, er habe noch immer ein Gasthaus vor sich.

Dieser Eindruck täuscht jedoch: sei einigen Jahren ist das Gasthaus geschlossen und die Besitzer haben im Innern mit Einverständnis der Denkmalsbehörde bereits einige Veränderungen hin zur Wohnnutzung vorgenommen. Die Abmeldung des Gastgewerbes erfolgte zum 31. Dezember 2008.

Der Hirsch war die letzte Gaststätte in Plankstadt, die sich auf das sogenannte Realrecht berufen konnte, d.h. das Recht, eine Gaststätte mit Beherbergungsbetrieb zu führen, ruht auf dem Grundstück. Dieses Recht ist nicht an Personen gebunden, erlischt jedoch, wenn die Gaststätte länger als drei Jahre geschlossen bleibt. Früher lag ein solches Realrecht noch auf dem Gasthaus „Zum goldenen Pflug“ an der Ecke Ladenburger- / Eppelheimer Straße; dieses schloss jedoch bereits im Jahr 1938 und wurde 1978 aus verkehrstechnischen Gründen abgerissen. Es handelte sich beim Pflug um ein markantes Gebäude aus rotem Buntsandstein; bei Abriss wurden viele der Steinquader beim Bau der Grillhütte in der Gänsweid verwendet.



Und wieder kann man beim Hirsch einen wehmütigen Rückblick tun: Der Hirsch als Gasthaus im Zentrum war lange Zeit ein wichtiger Treffpunkt der Leute, der Gesangverein Amicitia hatte hier jahrzehntelang sein Domizil. Freitags war Singstunde und anschließend saßen die Sänger noch beim Bier zusammen, manche spielten eine Runde „Gselles“ – ein Kartenspiel, das heute fast ganz niemand mehr kennt. Der Stammtisch neben dem Kanonenofen vor der Theke war – wie in den anderen Gasthäusern auch – ein wichtiger zentraler Ort zum Meinungsaustausch – zumal man sich ja in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus befand.

Ein Wirtshaus alter Prägung steht für Geselligkeit und Politik gleichermaßen. Dieser halböffentliche Raum bot schon immer die Gelegenheit für konspirative Zusammenkünfte, in früheren Zeiten oft unter misstrauischer Beobachtung der Obrigkeit, die sich auch nicht scheute, Spitzel in die Wirtshäuser zu schicken oder die Versammlungsverbote aussprach. Man denke nur an den „Salmen“ zu Philippsburg, wo im Jahre 1848 Friedrich Hecker die „Forderungen des Volkes“ proklamierte. Vielerorts ist das Gasthaus der Versammlungsort politischer Eliten oder galt gar als kommunaler „Regierungssitz“, wenn das Amt des Bürgermeisters in Personalunion mit dem Beruf des Wirts ausgeübt wurde. Wahl-versammlungen fanden und finden in Wirtshäusern statt, wo schlagende Argumente durchaus auch mit Unterhaltungswert ausgetauscht wurden. Hier war eine besondere Art der „Ausdauer“ oft gefragt, wie sich der württembergische Demokrat Friedrich Payer (1847 – 1931) erinnert: „Trinkfestigkeit war für einen Kandidaten fast unentbehrlich…“. So symbolisiert der Stammtisch mit seinen ungeschriebenen Regeln bis heute die „volksnahe“ politische Kommunikation. –

Aber die Zeiten haben sich gewaltig geändert. Natürlich wird an Stammtischen auch heute noch Politik gemacht, aber wo gibt es diese alten traditionellen Stammtische überhaupt noch? Als Treffpunkt der überwiegend in der Landwirtschaft tätigen Männer nach vollendetem Tagwerk ist er längst passé; die Gemeinden sind überwiegend zu Schlafstätten der Berufspendler geworden und diese streben nach ihrer Heimkehr am Abend äußerst selten ins Wirtshaus, um sich mit anderen auszutauschen. Die meisten der noch bestehenden Gaststätten sind nicht mehr wie früher im Familienbesitz, wo alle Familienmitglieder den Betrieb durch ihre Mithilfe getragen haben. Die Gastwirte früher betrieben Landwirtschaft, die Ehefrau oder die Eltern führten tagsüber die Wirtschaft; oft waren die Wirte auch noch Metzger und verkauften ihre Waren in der angeschlossenen Metzgerei. Dagegen haben die Pächter heute hohe Kosten für Pacht oder Personal aufzubringen und können von ein paar Glas Bier am Abend nicht mehr leben. Das Gasthaussterben in ganz Deutschland bis hinein in die rein ländlichen Bereiche in Bayern und Norddeutschland spricht eine deutliche Sprache und in vielen Dörfern Deutschlands gibt es heute kein einziges Dorfgasthaus mehr.

Zurück zum Plänkschter „Hirsch“: Erstmals ist im Jahr 1743 auf dem Grundstück Schwetzinger Straße 26 ein Gasthaus „Zum goldenen Hirsch“ nachzuweisen. Der Landwirt Valentin Gaa, Straußwirt und Maurermeister, betrieb das Haus. Durch die „Churfürstlich Pfälzische Hofkammer“ wurde seinem Sohn Adam Gaa am 12. Oktober 1782 für das Grundstück das Realrecht verliehen. An Georg Adam Gaa Witwe wurde am 13. April 1828 das Schildrecht verliehen.

Als Gebäudefläche besteht das Grundstück seit 1570 fast unverändert, wobei es natürlich kleinere Grenzveränderungen gab. Wie fast alle Grundstücke im Ortsetter stand auch dieses Grundstück im Eigentum des Zisterzienserklosters Schönau, bzw. der Pflege Schönau als Rechtsnachfolgerin und wurde wohl im 13. Jahrhundert erstmals zur Bebauung freigegeben. Um 1570 bildete das Grundstück den westlichen Ortsrand von Plankstadt und stieß hinten auf die „Keesgrüben“. Beständer war damals ein Hans Bechtold. Auf dem danebenliegenden Grundstück des heutigen Rathauses ist nach Renovationsbüchern erstmals 1613 ein Wohngebäude festzustellen und 1743 ist auf der Fläche der heutigen Wilhemstraße und des Sparkassengebäudes (vormals Anwesen Jakob Hahn) ein Wohngrundstück verzeichnet. Ortserweiterungen vollzogen sich in früheren Jahrhunderten viel langsamer als heute und das Gasthaus Hirsch rückte erst im Laufe der Zeit ins Ortszentrum. In den Akten des Gemeindearchivs taucht der Hirsch immer wieder auf; 1780 etwa als Wirtschaft und Krämerei. Der vordere Teil des Hauses wurde von Adam Gaa 1834 erbaut. In die Hände der Familie Heid, die bis heute Besitzer ist, kam das Haus im Jahre 1908. Es ist bemerkenswert, dass dieses Gasthaus in den 220 zurückliegenden Jahren lediglich im Besitz nur zweier Familien war.

Eine umfassende Neuregelung erfuhr das Gaststättenrecht im 19. Jahrhundert. Nach 1834 unterschied man drei Wirtschaftsrechte: Gastwirtschaften (Speise, Getränke, Beherbergung), Schank- und Speisewirtschaften – Restaurationen – (Speise, Getränke), Bier- und Branntweinwirtschaften (auch kalte Speisen). Ab dem Jahr 1870 sollte das Realrecht nach einem Gesetz nicht mehr verliehen werden. Bestehende alte Rechte erloschen, wenn das Haus länger als fünf Jahre, nach heutigem Recht länger als drei Jahre geschlossen bleibt.

Man mag heute beim Anblick des geschlossenen Gasthauses „Zum Hirsch“ in wehmütigen Erinnerungen schwelgen – zu ändern aber wird die nun geschaffene Realität schon durch die Umbaumaßnahmen im Innern nicht mehr sein.

uk, 24. September 2014



Plankstadt von oben



Veröffentlicht am 01.01.2014 in YouTube



Sprachliche Kursiositäten im Plänkschder Dialekt

Manchmal, wenn man mit älteren Plänkschdern ins Gespräch kommt, tauchen hin und wieder Worte auf, die man selten hört oder benutzt, auch wenn man des Plankstädter Dialektes mächtig ist und ihn auch täglich spricht.

Eines dieser Worte benutzte ich spontan kürzlich beim Anblick eines Bekannten, der einen Hut trug. Nun weiß jeder, dass Hut nicht gleich Hut ist - es braucht hier nicht aufgezählt, welche unterschiedlichen Hutsorten man kennt und zu welchen Anlässen sie getragen werden.

Eine ganz bestimmte Art eines Hütchens, welches dem männlichen Haupt zur Zierde und zum Schutz gereichen kann, kennt man bei uns unter der Bezeichnung „Moarebroudhiedl“ (= Magenbrothütchen). Jüngere Plankstädter und besonders Auswärtige können sich zunächst mal unter dem Begriff gar nichts Konkretes vorstellen und können sich somit auch kein Bild dieser Kopfbedeckung machen.

Die meisten von uns wissen, was Magenbrot ist, nämlich jenes Süßgebäck, das seit dem 19. Jahrhundert an den Süßigkeitsständen auf Kerweplätzen, Jahrmärkten oderWeihnachtsmärkten feilgeboten wird. Mitunter ist es heute auch schon ganzjährig in den Regalen von großen Discounterketten zu sehen. Was hat dieses lebkuchenartige Gebäck, meist in Rautenform geschnitten und mit Schokolade überzogen, mit dem Magen zu tun? Die einfachste und vielleicht auch am meisten einleuchtende Erklärung ist, dass die darin enthaltenen Gewürzzutaten (Gewürznelken, Sternanis, Zimt und Muskatblüten) allgemein als magenfreundlich gelten. Übrigen hat der frühere Oftersheimer Bürgermeister und Heimatforscher Karl Frei (1913 - 2002) in seinem Buch „Schbrooch un Schbrisch“ den Begriff „Magen“ im Dialekt „Móóre“ mit einem Akzent über dem Buchstaben über dem ‚o‘ geschrieben, (ob es dafür aber eine feste Regel gibt, entzieht sich meiner Kenntnis); der Nasallaut „oa“ in unserer Gegend widersetzt sich eigentlich einer deutschen Schreibweise und am besten kommt man dahinter, wenn man das Wort im Dialekt laut vor sich hin sagt.

Schwieriger wird es, wenn man sich nun auf die Suche nach einem Zusammenhang mit einer bestimmten männlichen Kopfbedeckung, dem „Moarebroudhiedl“, also hochdeutsch ausgedrückt, dem „Magenbrothütchen“ macht! Um es gleich vorwegzunehmen: eine Erklärung hierfür gibt es nach langer Recherche nicht! Möglicherweise gab es Magenbrotverkäufer, die ein solches Hütchen trugen, vielleicht hatten auch manche männliche Besucher eines Volksfestes, die eine Tüte des Gebäcks erstanden, ein solches Hütchen zum „leichten Bieranzug“ oder zum „Freibierkragen“ auf - man weiß es nicht und dieses Geheimnis wird wohl auch im Dunkel der Geschichte bleiben!

Wie haben wir uns nun aber ein solches Hütchen vorzustellen? Zum Glück ist das Hütchen noch nicht ausgestorben und erfreut sich bei manchen Zeitgenossen auch heute noch großer Beliebtheit! Auch in der Künstlerszene ist es zu finden: So z:b. bei dem fränkischen Kabarettisten Frank-Markus Barwasser, der unter dem Pseudonym „Erwín Pelzig“ seine eigene Fernsehsendung hat. Auch der Comedian Tom Gerhardt als „Hausmeister Krause“ hat ein solches Hütchen als Erkennungsmerkmal. Und auch in die große Politik hat es der ehemalige DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker immer wieder eingebracht, wenn er nicht gerade mit russischer Pelzmütze zu sehen war. Und ganz selbstverständlich gab und gibt es auch hier bei uns in Plankstadt zahlreiche Männer, die ein solches Hütchen ihr eigen nennen konnten. Sicher wird dem Leser der eine oder andere einfallen.



Beispiel für ein „Moarebroudhiedl“ (= Magenbrothütchen)

Und schon sind zwei weitere Begriffe aufgetaucht, die heute längst nicht mehr an der Tagesordnung bzw. im aktiven Sprachgebrauch sind, der „leichte Bieranzug“ und der „Freibierkragen“. Allerdings kann man zu diesen Begriffen in der einschlägigen Literatur noch immer Erklärungen finden. So versteht man unter dem „leichten Bieranzug“ eine bequeme Hose, Hemd, Jackett (möglichst nicht zu einem feinen Anzug gehörend, sondern besser etwas Derberes). Vielfach bestanden diese Freizeitanzüge aus stark chemiefaserhaltigem Material, so dass sie bei wenig Eigengewicht von allein eine gewisse Festigkeit aufwiesen, trotzdem aber sommerlich leicht waren. Der „Freibierkragen“ gehört, wie der Name schon andeutet, zur Freizeitkleidung männlicher Teilnehmer bei Ausflügen, besonders im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts. Es handelt sich um den Hemdkragen, der über den Sakkokragen herausgeschlagen wird - meist eben bei feuchtfröhlichen Herrenausflügen - und der natürlich ohne Krawatte getragen wird. So konnte man in Zeitungsberichten oft lesen: "Beim Ausflug des Gesangsvereins „Stimmbruch“ trugen die meisten Freibierkragen zum leichten Bieranzug" - und jeder Leser wusste gleich, wie die Ausflügler gekleidet waren. In Zeiten, in denen die Jeans und das T-Shirt noch nicht ihren Siegeszug um die Welkt angetreten hatten, wies diese Art der Oberbekleidung zwar auf eine Freizeitveranstaltung hin, entbehrte aber dennoch nicht einer gewissen ‚Eleganz‘ und unterschied sich damals deutlich von der Werktagskleidung, zumal an Sonn- und Feiertagen, an denen Festtagskleidung noch obligatorisch war.

Ein weiterer Begriff, über den wir dieser Tage gesprochen haben, ist der „Kiechlbrodd“. Auch hier konnte ich mehrere Plänkschder finden, denen der Begriff nichts mehr sagte aber auch viele andere, die sich darunter jemand vorstellen konnten und die auch Namen nannten, die hier jedoch aus Datenschutzgründen geheim bleiben müssen. Unter einem „Kiechlbrodd“ verstanden meine Vorfahren einen meist nicht mehr ganz jungen Mann, natürlich unverheiratet und vielleicht auch etwas altmodisch oder konservativ in seinen Ansichten und seinem Habitus, der häufig noch recht von der Mutter abhängig ist, oft noch bei ihr wohnt und versorgt wird, ansonsten aber seinem Beruf normal nachgeht. Wenn der Kiechlbrodd dann noch auf „Awaddlsfieß“ daherkommt, ein unübersetzbarer Begriff, der sich wohl auf eine etwas auffällige Gehweise des so Angesprochenen bezieht, dann kommen wir leicht in den Bereich, in dem man andere ins Lächerliche ziehen möchte. Viele kennen ja auch den Ausdruck, wenn jemand mit etwas grobschlächtigem oder schwerfälligem Gang dazu noch sehr modische Schuhe trägt: „Oudewella Fieß un Parisser Schiehlin“ (= Odenwälder Füße und Pariser Schuhe). Überhaupt wird es leicht unübersichtlich, wenn wir uns auf das weite Feld der Schimpfworte begeben. Hier müsste dann unbedingt auch die „Broochkuu“ genannt werden, ein Schimpfwort für eine dumme Frau, wie Karl Frei ausführt, Wer kennt nicht das Schimpfwort für Lehrer, den „Haagseucher“ ? Ein früherer Schulleiter alten Schlages erklärte das Wort einmal so: „Früher gingen die Männer aus dem Wirtshaus lediglich vor die Tür, um ihr Wasser auf der Straße oder im Hof abzuschlagen. Der Lehrer aber, der ja (manchmal) zu den vielleicht etwas vornehmeren Honoratioren des Orts gehörte, ging ein paar Schritte weiter, um seine Notdurft im Schutz einer Hecke, also eine Haags, zu erledigen. So mag dieses Schimpfwort entstanden sein“

Sogar die Juristen wurden in solchen Fragen bereits bemüht: So musste sich vor einiger Zeit ein Gericht in Frankenthal in der Pfalz klären, ob die bei uns häufig angewandte Form des „Dabbschädels“ ein Schimpfwort ist oder eher doch nicht. Man wird in der Pfalz liebevoll als Dabbschädel bezeichnet, wenn man etwas falsch gemacht hat, was jedoch nicht unbedingt immer so negativ gemeint sein muss, wie es sich anhört.

Und in diesem Zusammenhang stieß ich im Gespräch mit P. Fidelis Ruppert auf ein Wort, das ich selbst nicht kannte und das er mir erläuterte. Es war das Wort „stiechem“. Es bedeutet so viel wie „heimlich“, auch „verstohlen“ und stammt aus dem Pfälzer und Elsässer Dialektgebiet, wo es auch in einschlägigen alten Wörterbüchern gelistet ist. (Beispiel: „Guck emol, wie der so stiechem do hinne steht!“ So werden ältere Leser sicher noch viele Begriffe finden, die heute aus unserer Dialekt-Sprache verschwunden sind. Sprache ist einem steten Veränderungsprozess unterworfen und so, wie wir heute neue Begriffe im Duden vorfinden, so sind in der Vergangenheit auch Begriff aus dem aktiven Sprachgebrauch verschwunden, die für unsere Vorfahren noch zum Alltag gehörten. Die heutige Mobilität der Menschen tut ein übriges, dass unsere Sprache nicht statisch bleibt, wie sie ist, sondern sich schneller verändert, als man dies aus früheren Zeiten gewohnt war.

Zum Schluss noch ein kleiner Exkurs in die Welt der Fauna: Unter den vielen Tierfamilien und Tierarten kommt gerade auch im Dialekt, aber auch weit darüber hinaus bis ins Hochdeutsche des öfteren eine Spezies vor, die doch einer genaueren Betrachtung würdig ist: Wer kennt ihn nicht - oder besser - wer kennt keinen „Schmalzdackel“, den es in vielfältigen Formen und Unterarten zu geben scheint? Über die Pfälzer „Elwetritsche“ wurde schon viel geschrieben, über den Schmalzdackel ist wenig Literarisches bekannt. Meist wird das Wort nur als Schimpfwort für einen sehr eitlen Mann gebraucht, der darüber hinaus noch ein paar zusätzliche Attribute auf sich vereinigt wie Gel im Haar (früher als Pomade oder Haarcreme bekannt), dandyhaftes Auftreten, mit Frauenversteher-Blick, penetrantes Süßholz-Raspeln bei jedem sich zeigenden Rockzipfel, säuselnde Stimme (besonders bei Balz-Versuchen) und was da noch alles so zusammenkommt. Frauen benutzen das Schimpfwort oft hinsichtlich einstiger Liebhaber („Und wegen diesem Schmalzdackel habe ich das Rauchen wieder angefangen!“). Aus der Filmwelt und noch mehr aus der Show- und Musikbranche kennt jeder natürlich einige Exemplare von Schmalzdackeln und oft ist sogar im engeren Lebensumfeld der eine oder andere typische Schmalzdackel zu finden. Beispiele können hier natürlich aus rechtlichen Gründen keine angeführt werden, aber bestimmt kennen Sie auch einen, oder etwa nicht?

Aus dem Bereich der Körperpflege ist auch noch der Pomadenhengst oder auch der Lavendel-Heinrich erinnerlich, Begriffe, die sich aus dem Wort selbst erklären.

Über das in der gesamten Kurpfalz universelle Bindewörtchen „alla“ brauchen wir hier nicht mehr zu räsonieren, dieses Allerweltswort für alle möglichen Gelegenheiten ist hinlänglich bekannt. Interessant aber auch Begriffe wie „awwl“ (für: soeben, jetzt, jetzt gerade) oder „nimmi“ und ersatzweise auch „nie määh“ (für: nicht mehr oder nicht) oder auch „ebbes“ für ‚etwas‘, die sich Nicht-Einheimischen nicht ohne weiteres aus dem Satzzusammenhang erschließen. Oder denke man an die Dialektwörter „nummä“ oder „narre“ - er kann damit etwas anfangen? Im Satzzusammenhang klärt sich vielleicht die Frage etwas: „Nummä mol koa Ängschd!“ oder „Narrä koa Ängschd!“ (Für beide Beispiele gilt die Übersetzung: „Nur keine Angst!“) Schwer nachzuvollziehen und schon gar nicht sprachlich deutbar, aber doch vorhanden!

Und so ließen sich sicher noch viele Dialektwörter finden, die wir ganz selbstverständlich in unserer alltäglichen Dialektsprache verwenden, ohne uns Gedanken zu machen, ob unser Gegenüber diese auch verstehen und sprachlich einordnen kann.

uk, 08. November 2013



Waschen in früheren Tagen

Heute kann jeder zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Waschmaschine füllen und laufen lassen – sofern er dabei nicht die Ruhe seiner Mitmenschen stört.

Früher war das ganz anders. Auf dem Dorf war ein Wochentag als Waschtag bestimmt worden. In aller Frühe wurde in der Waschküche oder im „Scheppl“ (= überdachter Schuppen) der große Kessel angefeuert, der das Wasser zum Kochen brachte.

In Brenken war die Wäsche – wohl vorsortiert nach Kochwäsche, empfindlichere Wäsche usw. – eingeweicht worden.

Wenn das Wasser heiß war, wurde die Wäsche erst mal gekocht und dabei immer wieder mit einem großen Holzlöffel umgerührt. Danach wurde sie Stück für Stück in einer Brenk mit einem Waschbrett und Waschmittel von Hand geschrubbt.

Später tauchte dann der Wäschestampfer, auch „Wäscheliesel“ genannt. Mit ihm wurde die eingeweichte Wäsche gestampft. Der Stampfer ersetzte das altertümliche Stampfen mit den Füßen.



Brenk und Wäschestampfer

In mehreren Gängen wurde die Wäsche danach mit kaltem Wasser gespült, bis das Waschmittel herausgespült war. Zu zweit wurden die größeren Stücke dann ausgewrungen und zum Trocknen aufgehängt.

Für die Wäsche einer Familie mit drei Generationen dauerte der Waschtag schon bis in den Nachmittag hinein. Oft waren es die Großmütter, welche die Hauptarbeit leisteten. Besonderheiten waren damals handgetriebene Wäschemangeln, bei denen die Wäsche zwischen Gummirollen ausgepresst werden – sie ersetzten das kräftezehrende Auswringen.

Die ersten Elektrogeräte beim Waschtag, waren die Schleudern, die mit hoher Umdrehungszahl das Wasser aus der nassen Wäsche herausschleuderten. Dabei war bei der Füllung der Schleudern auf Gleichmäßigkeit zu achten, da die Schleudern die Angewohnheit hatten, bei unsachgemäßer Füllung ihren Platz selbstständig zu verlassen, so dass man sie festhalten musste. Die ersten elektrischen Waschmaschinen hatten wenig Ähnlichkeit mit heutigen Modellen. Im Wesentlichen waren sie ein Ersatz für den alten Kessel; eine Heizschlange heizte das Wasser auf und mittels eines großen Plastikflügels wurde die Wäsche hin und her bewegt. Hier gab es auch ein Gerät, das eine Kombination aus Flügelwaschmaschine und Wäscheschleuder darstellte: die in der Waschmaschine gekochte Wäsche wurde nach dem Spülen (natürlich außerhalb der Maschine per Hand) in die Schleuder gefüllt und dort geschleudert.

Ein Vorläufer der Waschmaschine war auch eine Konstruktion, bei der per Handkurbel im Inneren eines Blechbehälters die Wäsche bewegt wurde. Der Behälter wurde dabei auf den Herd in der Küche gestellt und so beheizt.

Nur, wer noch Erinnerungen an die Waschtage in den 50er Jahren hatte, kann überhaupt ermessen, welche Arbeitserleichterungen die modernen Waschmaschinen von heute bringen.

Nicht erörtert sind hier natürlich die Situationen, bei denen die Waschtage infolge mehrerer Mietparteien organisiert werden und zeitlich festgelegt werden mussten.

Auch wer keinen Hof und keine Waschküche zur Verfügung hatte, dem blieb nichts anderes übrig, als die Wäsche in der Küche auf dem Herd zu kochen.

Für das Trocknen der Wäsche kam nur der Hof oder Garten, bzw. bei schlechter Witterung der Speicher in Frage.

uk, 12. September 2013



Was liegt denn da auf der Straße ?

Ältere Bewohner unserer Region würden uns für leicht verrückt oder zumindest für äußerst weltfremd halten, würden wir ihnen diese Frage stellen.

Denn jedes Kind konnte sie früher sofort und erschöpfend beantworten, lagen die Objekte – die Pferdeäpfel nämlich, mundartlich „Knoddl“ genannt - doch täglich auf den Ortsstraßen herum. Früher – das war zu Zeiten, als in Plankstadt und auch andernorts noch jede Menge „Gail“, also Pferde, beheimatet waren und die meisten Landwirte die Tiere noch als Arbeits- und Zugtiere verwendeten. Klar, dass man damals die Hinterlassenschaften dieser Tiere überall auf den Straßen fand. Niemand rümpfte die Nase oder betrachtete sie als grobe Verunreinigung, die der Verursacher oder sein Besitzer schnellstens zu entfernen hatte. Im Gegenteil, hörte man Hufgetrappel auf der Straße, standen manche schon mit der Schaufel (der „Dreggschibb“) hinter dem Hoftor, um nach eventuell anfallenden Knoddl Ausschau zu halten – denn, und auch das wusste jeder, die Knoddl waren ein ausgezeichnetes Düngemittel für den häuslichen Gemüsegarten! Da konnte es sogar vorkommen, dass sich Nachbarn darum stritten, wer nun als erster das Anrecht hatte, die Knoddl einzusammeln. Manche Buben verdingten sich als „Knoddlbuwe“, indem sie mit einem kleinen Wägelchen, dem „Knoddlkärschl“, durch die Straßen zogen und die Knoddl schnell aufzusammeln versuchten, bevor sie von den Anwohnern weggeschnappt wurden. Gegen ein paar Pfennige Taschengeld wurden die Buben die Knoddl dann daheim oder bei anderen Gartenbesitzern wieder los.





Eigentlich ist es aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar, wie wertvoll man damals diese tierische Hinterlassenschaft einschätzte. Dieses Denken ist den Menschen völlig fremd geworden. Vor Jahrzehnten entbrannte einmal in Oftersheim ein Streit (die Schwetzinger Zeitung berichtete damals) zwischen Reitern und Anwohnern aus den Straßen, auf denen die Reiter zum Ort hinaus in den Wald ritten. Ganz klar, dass auch hierbei immer wieder Knoddl auf den Straßen anfielen. Die Anwohner der Neubaugebiete sahen in den Knoddl lediglich eine Verunreinigung, die tunlichst zu unterbleiben hatte. Das wäre noch wenige Jahre zuvor undenkbar gewesen, als die Nicht-Landwirte noch hinterm Hoftor auf die Knoddl lauerten! Im Fernsehen ist heute manchmal zu beobachten, dass bei diversen Umzügen, an denen Pferde teilnehmen, den Tieren Säcke unter den Schweif gebunden werden, damit die Knoddl nicht die Straßen verschmutzen. - Und wann findet man diese Knoddl heute noch? Wo bewegen sich heute noch Pferde? Allenfalls vor Kutschen, die von Vereinsausflügen oder bei Hochzeiten zum Einsatz kommen. Und so werden wir den jungen Menschen von heute wieder gut erklären müssen, was da auf der Straße liegt, welchen Ursprung es hat und vor allem, welche Bedeutung es früher für die Menschen hatte. Die Pferde kümmert‘s nicht, sie haben da keinerlei historische Einordnungsprobleme. Für sie gilt: Was muss, das muss und zwar bestimmen sie den Zeitpunkt wie zu allen Zeiten selbst!

Die Älteren unter uns, die noch die alten Blumenpeter-Witze kennen, werden sich vielleicht noch an den Witz erinnern, als dem Blumenpeter von bösen Buben sein Knoddlkärschl geklaut und versteckt wurde. Verzweifelt suchte der Peter in ganz Mannheim sein Knoddlkärschl, bis er dann völlig erschöpft eine Zwangspause einlegte und dabei sein Wasser gegen einen Baum abschlug („wedda in Boam gebrunst hot“). Ein Mann sah dies und sagte mahnend ob dieser Untat: „Peter, des meschd ma ned, du woasch doch, der do owwe sieht alles!“ ( = das macht man nicht, du weißt doch, Gott sieht alles) .Schlagfertig antwortete der Blumenpeter: „Wenn des sou isch unn der alles sieht, dann woaß der sischer oa, wu mei Knoddlkärschl isch!“ (= Wenn das so ist und der alles sieht, dann weiß der sicher auch, wo mein Knoddlkärschl ist!)

Nun könnten sich die geneigten Leser trefflich darüber streiten, ob ein solcher Text über ein so anrüchiges Objekt seinen Platz im Mitteilungsblatt oder in der Zeitung oder gar auf der Homepage der Gemeinde finden muss. Aber mal ehrlich, liebe Leser, sonst ist es auch nicht immer der Weisheit allerletzter Schluss, was so täglich Eingang in unsere Medien findet – oder?

uk, 13.Juli 2013



Die Hausschlachtung

Bis weit in die 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein gehörte in ländlich geprägten Gemeinden wie Plankstadt die Haltung eines Hausschweins bei den Hausbesitzern einfach dazu.

Die Grundstücke waren so bebaut, dass dies auch problemlos möglich war: Im Hof gab es einen Schweinestall, ein Mistloch mit danebenliegendem Plumpsklo und - meist über dem Schweinestall einen kleinen Schopf ("ä Scheppele"), auf dem das Stroh für die Stalleinlage gelagert wurde.

Die meisten Arbeiter, die nicht Landwirte waren, betrieben neben ihrem Hauptberuf eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft mit einem oder zwei kleinen Äckern in der Feldflur; oft waren es gemeindeeigene Grundstücke, die nach dem Bürgerrecht den Ortsbürgern unentgeltlich zur Verfügung standen, die sogenannten "Rottstücker" (der Jahrgang 1902 war der letzte Geburtsjahrgang, der in den Genuss dieses Bürgerrechts kam), oder es wurden kleine Streifen von einem Bauern gepachtet. Verkauft wurden diese angepachteten Grundstücke eher selten, da die Landwirte meist einen guten Riecher für späteres Bauerwartungsland hatten und dann stiegen ja diese meist ortsnahen Flurstücke enorm im Wert.

Man kann sich das in heutiger Zeit nur schwer vorstellen: Da arbeitete ein Arbeiter den ganzen Tag in der Fabrik oder im Schwetzinger Bundesbahn-Ausbesserungswerk, hatte um 17 Uhr Feierabend, fuhr dann mit dem Rad nach Hause und begab sich, nachdem er seine Gerätschaften wie Hacke, Rechen, Sense, Sichel oder Harke (Kratzer) gerichtet hatte, zur Feldarbeit hinaus in die Plankstädter Flur. In den seltensten Fällen hatte er spezielle größere Feldbearbeitunsgeräte, denn er hatte ja kein Zugpferd und waren sie für bestimmte Arbeiten unumgänglich, musste er einen ihm bekannten Landwirt um Hilfe bitten. Dieser spannte dann sein Pferd ein und bearbeitete den Acker des Kleinbauern. Sowohl im Frühjahr bei der Vorbereitung des Ackers als auch bei der Ernte mussten diese Freundschaftsdienste in Anspruch genommen werden - man war also auf Gedeih und Verderb auf das Wohlwollen eines bekannten Landwirts angewiesen und es war auch selbstverständlich, dass man diesem dann bei dessen Ernte auch als Helfer zur Verfügung stand. Das Haupttransportmittel des Kleinstlandwirts war das Feldwägele, mit dem Saatgut im Frühjahr oder Ernteerzeugnisse im Spätjahr transportiert wurden - bis weit hinaus in die Gewannen Kleinfeld, Jungholz, Eimerbusch, Gehre und wie sie alle hießen.



Doch zurück zur Hausschlachtung:

Das Schwein als Allesfresser entsorgte natürlich alle Küchenabfälle auf natürlich Weise, zusätzlich waren Kartoffeln für die Aufzucht erforderlich, die in der Küche gekocht werden mussten. Mit etwas Glück erreichte das Schwein, dessen Stall natürlich täglich ausgemistet und mit frischem Stroh versorgt wurde, gegen Ende des Jahren die Schlachtreife mit einem Gewicht ab 150 kg, manchmal sogar bis über 200 kg. Die Aufzucht musste natürlich so erfolgen, dass diese Schlachtreife möglichst zur Winterszeit erreicht wurde, denn es gab in jener Zeit ja noch keine elektrischen Kühlmöglichkeiten in den Haushalten und bei kalter Witterung hielten sich die Schlachtergebnisse natürlich besser als bei sommerlicher Hitze. Haltbarmachung war nur durch Räuchern oder Pökeln oder, wie bei der Wurst, in Dosen möglich.

Wurde also das Hausschwein als schlachtreif empfunden, sagte man dem Hausmetzger seines Vertrauens Bescheid und dieser nannte dann einen Tag, an dem er Zeit hatte. Hausmetzger war früher ebenfalls meist ein Nebenberuf, denn da nur im Winter geschlachtet wurde, musste er ja auch in den übrigen Monaten einer Beschäftigung nachgehen. Wenn man Glück hatte, kannte man auch einen Berufsmetzger mit einer eigenen Metzgerei, der gegen geringes Entgelt die Hausschlachtung auch außerhalb seines Betriebes durchführte. Die Vorbereitungen begannen schon Tage zuvor. Der Kessel, indem sonst die große Wäsche am Waschtag gekocht wurde, musste blitzblank gereinigt werden; alle erforderlichen Schüsseln und Eimer ebenso. Am Tag zuvor wurde noch Kuchen gebackten, denn viele Metzger zogen nach dem Schlachten Kaffee und Kuchen der Schlachtplatte vor. Innerhalb der Familie waren die Aufgaben klar verteilt, jeder wusste, was zu tun war. Spezialausrüstung des Metzgers wurde am Tag zuvor mit dem Feldwägele oder dem 'Lannenkarch' bei ihm abgeholt. Dazu gehörte vor allem die Brühmulde, eine Art Badewanne aus Zink oder Holz, in welcher das tote Schwein mit heißem Wasser abgebrüht wurde, damit sich die Borsten besser lösten.

Auch der Messersatz des Metzgers gehörte dazu und auch die Wurstmaschine, die aber nicht elektrisch sondern von Hand betrieben wurde. Den Bolzenschussapparat, mit dem das Schwein betäubt wurde, brachte der Metzger aus Sicherheitsgründen erst am Schlachttag selbst mit. Auch der von der Gemeinde bestellte Fleischbeschauer musste verständigt werden, damit er am Schlachttag vorbeikam.

Am Schlachttag selbst herrschte schon in aller Frühe rege Aktivität, denn das Wichtigste war am Anfang jede Menge heißes Wasser und dazu musste der Kessel meist noch in der Nacht angefeuert werden, da es einige Stunden brauchte, eine so große Menge Wasser zum Kochen zu bringen. Die übrigen Utensilien wurden an den entsprechenden Plätzen gerichtet. Ganz wichtig war auch, das Schwein im Stall nicht durch allzu große Hektik und Lautstärke nervös zu machen, denn die sensiblen Tiere scheinen immer zu merken, wenn es ihnen an den Kragen geht und die Aufregung der Tiere wirkt sich auf die Qualität des Fleisches aus. Wenn dann der Metzger eintraf, ging alles recht schnell. Meist waren nur er und der Hausherr in der Nähe des Schweinestalls, wenn das Schwein herausgelassen wurde. Der Metzger sprach beruhigend auf das Schwein ein, das im Hof herumschnüffelte. Wenn er es an der Stelle hatte, wo dann die weiteren Arbeiten verrichtet wurden, setzte er ihm den Bolzenschussapparat vorsichtig auf die Stirn und drückte ab. Das Schwein fiel betäubt um und zuckte meist kräftig mit den Hinterbeinen. Mit einem Strick wurde es mit einem Hinterbein an einen Pfosten gebunden und schon kam die Hausfrau mit einer großen Schüssel und einem Eimer, denn der Metzger setze nun schnell den Halsschnitt in die Hauptschlagader des Schweins, damit es ausbluten konnte. Das herausschießende Blut, das ja später für die Blutwurst oder den Roten Schwartenmagen gebraucht wurde, musste sofort kräftig gerührt werden, damit es nicht stockte und damit unbrauchbar geworden wäre.

Das ausgeblutete Schwein, in dem nun kein Leben mehr war, wurde jetzt von den Borsten gereinigt. Dazu kam es in die Brühmulde und wurde mit siedendem (um die 80°, keinesfalls aber kochend) Wasser übergossen. Mit einer Kette löste der Metzger zunächst die größten Borsten, indem er das Tier durch kräftiges Hin- und Herziehen der Kette sozusagen "abrubbelte". Danach erst begann die Feinarbeit: mit sogenannten "Sauglocken", den typischen runden, glockenförmigen Schabemessern wurde das Schwein abgeschabt und mit scharfen Messern wurde die Haut nachbearbeitet, damit jede Borste verschwunden war, denn die Schwarten wurden ja später auch benötigt. War diese schweißtreibende Arbeit beendet - und es gehörte zum Stolz jedes Metzgers, ein einwandfrei sauberes borstenloses Schwein weiter zu verarbeiten, bedurfte es noch einmal größerer vereinter Kraftanstrengung, das tote und saubere Tier an den Hinterläufen aufzuhängen. Dazu hatte der Metzger wiederum Spezialwerkzeug, eine Art Bügel, der durch die Sehnen geschoben wurden. Die Sehnen waren dann stark genug, das Schwein in hängender Position zu halten.

Nun öffnete der Metzger den Bauch des Schweines mit einem großen Schnitt und holte zunächst die Eingeweide heraus. Die Därme, die man für die Wurst brauchte, wurden entleert, gereinigt, umgekehrt und danach bis zum Gebrauch gewässert, ebenso der Magen und die Blase. Nachdem die Arbeit an den Innereien beendet war, zerteilte der Metzger das Schwein in zwei Hälften und begann mit der Zerlegung. Wichtig war es, den Kopf und die entsprechenden Wellfleischteile schon mal ins kochende Wasser zu geben, damit das Wellfleisch oder Kesselfleisch auch bis zum Mittag fertig werden konnte.

Danach machte sich der Metzger an die Zerlegung der beiden Schweinehälften. Hier wurden die Stücke bereitet, die zur Aufbewahrung gelangten, die Teile, die für die Herstellung der Wurst gebraucht wurden, auch die Vorbereitung der Schinken gehörte dazu. Mittlerweile war auch der Fleischbeschauer da gewesen, um aus bestimmten Teilen des Schweins Proben zu entnehmen und diese unter dem mitgeführten Mikroskop auf Trichinen zu untersuchen. Was alles in Ordnung - und das war meistens der Fall - bekam das Fleisch einen Stempel und war somit für die weitere Verarbeitung und den Verzehr freigegeben.

Metzger, Hausfrau und ihre Helferinnen (meist waren es eben die Frauen) machten sich in der Küche oder der extra gereinigten Waschküche, so man eine hatte, an die Schneidarbeiten, die einsetzten, wenn das Fleisch im Kessel gegart war. Hier entstanden die Teile des Schweins, die für den Verzehr aufbewahrt wurden; die Grieben für die Griebenwurst von denen ein Teil gleich angeröstet und für die Küche diente. Die Fleischteile für die Wurst wurden hier geschnitten, die dann später vom Metzger zur Weiterverarbeitung gemahlen wurden.

Der Metzger, der eine kleine Kaffeepause eingelegt hatte, machte sich dann sogleich an die Herstellung des Wurstteigs. Dazu wurden die geschnittenen Fleisch- und Fettstücke durch den Wolf gedreht (lange Zeit per Hand) und in großen Schüsseln zum Wurstteig verarbeitet. Das Sortiment war überschaubar: neben der Bratwurst wurde meist nur Blut- und Leberwurst sowie Schwartenmagen (weiß und rot) hergestellt. Man darf annehmen, dass aus diesem Bereich der alte Spruch für einen nicht besonders intelligent gehaltenen Menschen stammt: "Der weiß ja noch nicht einmal, dass der Schwartenmagen die größte Wurst ist!" Denn der Magen des Schweins hatte nun einmal von allen Därmen den größten Durchmesser und war somit die größte Wurst. Der überwiegende Teil der Masse wurde später in Dosen abgefüllt, denn die Haltbarkeit der Wurst in den Naturdärmen war zwangsläufig begrenzt. Der Teil für die frische Wurst kam in die Wurstmaschine, aus der der Metzger die Masse geschickt in die gereinigten Därme presste und in entsprechender Länge mit der Schnur abband. Bei diesem Arbeitsgang geschah es oft, dass der Metzger den anwesenden Kindern "ein Würstel anmaß", das bedeutete, dass er mit dem Finger ganz schnell etwas von dem Wurstteig ins Gesicht schmierte, was diesen natürlich gar nicht gefiel. Dies war also der lustige Teil des Schlachtfestes. Der Begriff Schlachtfest hatte durchaus seine Berechtigung, war es doch ein besonderer Tag für die ganze Familie; die Schulkinder bekamen dafür auf Antrag sogar schulfrei; dafür bekam der Lehrer meistens auch seinen Anteil an Naturalien vom Schlachtfest! Die Blut- und Leberwürste wurden abgebunden und wanderten, nachdem das Kesselfleisch schon verarbeitet war, in den Kessel mit siedendem Wasser. Die Beaufsichtigung dieser Wurst war eine Kunst für sich, denn es war verpönt, Würste durch zu heißes Sieden aufplatzen zu lassen, denn diese hatte man dann ja nicht für die Zeit danach mehr. Andererseits wurde die Wurstsuppe nur dann richtig schmack- und nahrhaft, wenn der Inhalt einiger aufgeplatzter Würste darin enthalten war. Es war also wichtig, eine wohlschmeckende Wurstsuppe zu erhalten, aber auch genügend Würste aus dieser für den späteren Verzehr zu retten. Es ist anzunehmen, dass darüber oft so manche Meinungsverschiedenheit ausgetragen wurde. Der Rest der Wurstmasse aus Rotem und Weißem Schwartenmagen, Bratwurstfüllsel, Leber- und Blutwurst warteten schon den Dosen auf den Spengler, der mit seiner mobilen Maschine vorbeikam, um die Dosen luftdicht zu verschließen. Diese kamen zum Schluss ins kochende Wasser des Kessels, wo sie mehrere Stunden vor sich hin sieden mussten. Mit einem Markiereisen waren die Dosen zuvor mit Buchstaben gekennzeichnet worden, damit man später auch erkennen konnte, welche Wurstsorte sie enthielten.

Für die Schmackhaftigkeit der Wurst war der Metzger zuständig, der die Mengen der Gewürze aus seiner Erfahrung bemaß. Natürlich durften auch der Hausherr und die Hausfrau probieren und so ist verständlich, dass sich die Wurst von Schlachtfest zu Schlachtfest in Geschmacksnuancen unterschied. Dass dies auch von Metzgerei zu Metzgerei so war, erklärt sich von selbst, denn jeder Metzger brachte seinen persönlichen Geschmack in die Wurstherstellung mit ein.

War die Wurst im Kessel und wurde dort gut beaufsichtigt, konnte sich die ganze Gesellschaft mehr den leiblichen Genüssen zuwenden. Die ersten frischen Bratwürste schmurgelten in den Pfannen, das Wellfleisch duftete, Schnut', Rüssel, Bäckchen und anderes Fleisch dufteten zusammen mit dem Sauerkraut von der Platte und oft war frisches Brot gebacken worden - ein Genuss für den wahren Kenner und die ganze Familie ließ es sich schmecken - bis manchmal auf den Metzger, der, der vielen Wurst überdrüssig, lieber ein paar Rühreier oder einen Kaffee und selbstgebackenen Kuchen verzehrte.

Bei all der Arbeit durften natürlich auch Nachbarn, Verwandte und Freunde nicht vergessen werden. Diese kamen vorbei, sofern sie nicht sowieso mithalfen, und bekamen ihre Milchkanne mit Wurstsuppe, ihre Brat-, Blut- und Leberwürstchen und oft auch eine Portion Wellfleisch mit nach Hause. Eine ältere Frau berichtete, dass bei ihnen immer zwei Schweine geschlachtet werden mussten, weil die Eltern an die große Verwandtschaft so viel verschenkten, dass die Vorräte zu knapp geworden wären.

Geschafft, aber zufrieden hatten sich die ehemaligen Schweinbesitzer am Abend nur noch um die Versorgung der Produkte zu kümmern; die Schinken mussten für einige Wochen in Salz eingelegt werden, bevor sie vom Metzger geräuchert wurden, die Dosenwurst musste versorgt werden und die Würste wurden in Keller oder Speicher aufgehängt - natürlich so, dass Ungeziefer, vornehmlich Mäuse oder gar Ratten, keine Chance hatten, dran zu gelangen.

Und da wie überall, nach dem Schlachtfest auch vor dem Schlachtfest ist, wurde schon geplant, wann man das nächste Ferkel für die Aufzucht erwerben wollte.

uk, 20. Dezember 2012



Das „Feldwejjele“ (= Feldwägelchen) - Ein wichtiges Fahrzeug der Vergangenheit ist (fast) „ausgestorben“

Maigdscheeß, Feldwejjele, - das waren Begriffe, die einem eigenartigen Gefährt zugeordnet waren, das heute fast ganz aus dem Straßenbild Plankstadts verschwunden ist.

Neben einigen älteren Damen kann man aber einen immer noch häufig damit sehen: Hausmeister Erwin Gaa von der Friedrichschule befördert mit ihm nach wie vor Verbrauchsmaterial vom Rathaus in die Schule, wie auf einem Foto zu sehen ist. Die meisten Plänkschter verfügten früher über ein solches Gefährt und das war wichtig in einer Zeit, wo zumeist das Fahrrad das einzige technische Fortbewegungsmittel in den Haushalten war. Wie wir noch sehen werden, gab es häufig etwas zu transportieren und nicht jeder hatte gleich einen Bauern zur Hand, der ihm mit seinem Fuhrwerk behilflich war. Außerdem war das meist auch gar nicht nötig, denn die Lasten waren nicht so groß, dass man fremde Hilfe in Anspruch nehmen musste.

Die zwei eingangs genannten Dialektbegriffe Maigdscheeß und Feldwejjele zeigen deutlich den Verwendungszweck auf, für den diese Gefährte bestimmt waren. Zum einen boten viele Kleinbauern ihre Erzeugnisse auf dem Schwetzinger Wochenmarkt an und mussten diese natürlich dorthin befördern, zum anderen diente das Feldwejjele natürlich dem Kleinbauern dazu, seine Gerätschaften damit zu seinem Ackergrundstück in der Feldflur und Ernteprodukte von dort zurück nach Hause zu befördern. Wer als Nebenerwerbslandwirt nach seiner normalen Arbeitszeit gegen Abend aufs Feld ging, konnte keine zentnerschweren Kartoffellasten mehr einbringen, dazu reichte das Feldwejjele. Wollte man einen ganzen Acker abernten, bedurfte es sowieso der Mithilfe eines Bauern, der über Zugpferd und Wagen verfügte. Zwischen diesen beiden Fahrzeugen gab es noch den zweirädrigen Karren mit zwei Holmen, der mit eigener Muskelkraft gezogen oder geschoben wurde, den sogenannten „Lannekaisch“ oder „zwoarädderische Kaisch“, den sich jedoch nicht jeder leisten konnte und der auch weniger handlich als das „gattische“ Feldwejjele war.



Zunächst bestand das Feldwejjele aus einem geflochtenen quaderförmigen Korb, einem Untergestell aus Eisen und vier Holzrädern, die mit einem Eisenreif beschlagen waren. Viele der Wägelchen, die schon etliche Jahre auf dem Buckel hatten, liefen nicht besonders rund und hielten meist auch nicht die Spur, da alles etwas ausgeleiert war. Eine regelmäßige Pflege oder auch mal eine Erneuerung einzelner Teile war schon erforderlich. Ersatzräder gab es beim Wagner – z.B. beim Wagner Reiser in der Friedrichstraße. Eisenteile konnte man beim Schmied machen lassen und wenn der Korb defekt war, ging man zum Eduard Stripf, der zwar Bahnbeamter war, aber in seiner Jugend das Korbflechterhandwerk erlernt hatte. Wer sein Feldwejjele so immer „in Schuß“ hielt, konnte seine Dienste über viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Da die Holzräder mit dem Eisenreifen nicht nur reparaturanfällig und nicht gerade leichtgängig waren, wurden in späteren Jahren die Holzräder durch Gummiräder ersetzt, was die Fahrzeuge auch erheblich leiser werden ließ.

Über die eingangs beschriebenen Verwendungen des Feldwejjeles hinaus gab es noch viele andere Einsatzmöglichkeiten. In den Jahren, als es noch keine geregelte Müllabfuhr gab, der Abfall im Haus jedoch stetig anwuchs, fuhr man bei Bedarf mit seinem vollgeladenen Feldwejjele „ins Dreckloch“ – der Ausdruck „Schuttabladeplatz“ ist späteren Ursprungs und kaschiert nur leicht die Tatsache, dass man alles, aber auch wirklich alles, was im Haus entbehrlich war, dorthin schaffen konnte. Eine Mülltrennung, auch eine Trennung von Giftstoffen und anderem Abfall war völlig unbekannt und niemand wäre auf die Idee gekommen, sich über so etwas auch nur entfernt Gedanken zu machen. Damit im Dreckloch der Unrat einigermaßen geordnet – oder was man eben damals unter geordnet“ verstand – unter die Erde kam, sorgte ein Faktotum für diese Ordnung, die er natürlich selbst bestimmte. Erinnerlich ist in diesem Zusammenhang ein Mann mit dem Uznamen „Schuß“ sowie später der „Hasen-Jackl“, auch „Badschhändl“ genannt, ein arbeitsloser Behinderter, der mit seiner finster anmutenden, nicht sehr gepflegten Erscheinung so recht an diesen Ort zu passen schien. Mit einem „Kartoffelkratzer“ sortierten sie den Unrat etwas - wahrscheinlich bekamen sie für Altmetall noch ein paar Mark von einem Schrotthändler – und sorgten dafür, dass man beim Abladen aus dem Feldwejjele nicht den Abhang hinunter stürzte, da ja die Ränder des Lochs unbefestigt waren. Wenn der Großvater mit seinem Feldwejjele ins Dreckloch fuhr, so war das natürlich für Buben in der Nachkriegszeit schon ein kleines Abenteuer, denn zu sehen gab es meist etwas, was man noch nicht kannte, eventuell war auch etwas zu finden, was man „gut brauchen“ konnte und der Anblick des finsteren „Badschhändls“ machte den Gang ins Dreckloch sowieso für jüngere Buben zum kleinen Abenteuer!

Doch hatte das Feldwejjele noch weitere wichtige Aufgaben zu erfüllen: Die meisten Haushalte verfügten in der Nachkriegszeit noch nicht über die technisch ausgereiften Backöfen wie dies heute der Fall ist. Bei den Kohleherden war eine exakte Backtemperatur nur schwer zu erzielen und so brachte man die Kuchen oder auch selbst hergestelltes Brot zum Bäcker, um es dort fachkundig backen zu lassen. Dazu bedurfte es des Feldwejjeles, wenn es mehr als nur ein Kuchen war – und das war es bei großen Familien meistens. Auch Brot wurde ja nicht einzeln hergestellt, sondern es waren immer eine ganze Anzahl Laibe, die befördert werden mussten. Da aber die Backwaren im Rohzustand nicht gestapelt werden konnten, war für die Feldwejjelin eine besondere Vorrichtung vonnöten, die man natürlich auch in Eigenarbeit herstellen konnte. Es wurden am oberen Rand des Korbes zwei Halteschienen eingehängt und darüber wurde ein Brett in der Größe des Korbes gelegt. Auf diese Weise hatte man eine zweite Etage und konnte so mehrere Kuchen oder Brote zum Bäcker und wieder zurück befördern. Meist entwickelte sich in der Backstube auch noch ein Gespräch mit den dort anwesenden Bäckern und so bekam die wöchentliche Bäckerei auch einen durchaus wichtigen kommunikativen Charakter. – Man muss sich hier vor Augen halten, dass damals in den Backstuben auch noch nicht unbedingt im Akkordtempo gearbeitet werden musste; bei über 20 Bäckereien in Plankstadt war ein individueller Umgang mit dem Kunden noch selbstverständlich und Zeit für ein Schwätzchen blieb allemal. Heute dürfte der Kunde vielleicht schon wegen der Hygienevorschriften noch nicht einmal die Backstube betreten.

In Plankstadt gab es sogar noch eine berufliche Nutzung der Feldwejjelin: die beiden Ölverkäufer, der „Öl-Peter“ und die „Öl-Ricke“ fuhren mit ihren Wejjelin durch die Ortsstraßen und verkauften den Haushalten das Speiseöl in offener Form, das dann auf der Straße in die Flaschen abgefüllt wurde. Lange Zeit wurden auch Getränke in kleinen Mengen von der Firma Wiest mit dem Feldwejjele ausgeliefert und sogar vom Transport nach Hause nicht mehr ganz nüchterner Zeitgenossen mit dem Feldwejjele wird berichtet! Feldwejjelin wurden beispielsweise auch von Musikschülern genutzt, die ihr Akkordeon zum Unterricht zur Kolbs-Alice in den Waldpfad und wieder zurück befördern mussten. War etwas aus dem „Lagerhaus“ in Schwetzingen zu besorgen, kam selbstverständlich das Feldwejjele zum Einsatz, sogar um geringe Mengen Getreide in der Oftersheimer Mühle mahlen zu lassen, leistete das Feldwejjele seine Dienste. Einer zugezogenen jungen Dame lieh für einen Kleintransport der Dreschmaschinen-Schuhmacher großzügig sein Feldwejjele; als diese etwas pikiert das ihr unbekannte Gefährt betrachtete, meinte Friedrich Schuhmacher nur „Schäme dich des Evangeliums Jesu Christi nicht!“. Die junge Dame bezeichnete ab sofort das Feldwejjele zeitlebens als „Evangelium“. Natürlich war das Feldwejjele auch ein geeignetes Fahrzeug, um Trauben und anderes Obst in die Kelterei Hepp in der Friedrichstraße zu befördern, wo dann Most gepresst oder auch Schnaps gebrannt wurde.

Mit der Zunahme des individuellen Autoverkehrs verschwanden die meisten Feldwejjelin nach und nach aus den Ortsstraßen. Für die Autofahrer stellten sie sowieso ein Verkehrshindernis dar, denn man fuhr ja mit ihnen auf der Fahrbahn. Erzählt wird von einer Situation in der Hauptstraße, als ein alter Plänkschter mit seinem Feldwejjele auf den Straßenbahnschienen Richtung Kreuzgasse unterwegs war; hinter ihm natürlich eine Autoschlange, die wegen des Gegenverkehrs nicht überholen konnte. Ob auch die Straßenbahn zur Schlange gehörte, ist nicht mehr erinnerlich. So etwas konnte einen alten Plänkschter aber damals nicht erschüttern; mit einem „Die solle woarte bis Platz isch!“ oder gar „Die solle misch groad emoaschlegge!“ meisterte er souverän die brenzlige Situation.

Die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten des Feldwejjeles sind in heutiger Zeit nicht einmal von einem Autokofferraum zu überbieten; denn erstens war es leicht zu reinigen (was ja je nach Beförderungsgut beim Kofferraum nicht immer möglich ist) und zweitens kam man mit dem Feldwejjele auch dahin, wo man heute mit dem Auto nicht hinkommt.

Vorbei ist die Zeit der Feldwejjelin! Fristeten sie zunächst noch in Schuppen, Scheunen oder Remisen ein ungewisses Dasein, wurden sie nach und nach selbst zum Sperrmüll und wurden abgeholt oder – solange die Leute noch Kohleheizungen hatten – im eigenen Haushalt verbrannt. Einige wenige konnte man noch sehen, wenn mit ihnen ein paar Kleinkinder zum Kindergarten befördert wurden – eine Gaudi für die Kleinen! So hat die moderne Zeit mit ihrer Technik ein Fahrzeug verschwinden lassen, ohne dessen Existenz sich mancher vor einem halben Jahrhundert noch das tägliche Leben gar nicht recht vorstellen konnte. Zum Glück steht noch ein altes Exemplar im Plankstadter Heimatmuseum, denn sonst wüsste man eines Tages gar nicht mehr, was ein „Feldwejjele“ eigentlich war!

uk, 21.November 2012



Wie die "Plänkschter Backenbläser" (vielleicht) zu ihrem Namen kamen

Ob die folgende Geschichte der Wahrheit entspricht oder nicht, läßt sich natürlich nicht mehr nachprüfen, aber auch wenn sie nicht wahr sein sollte, so ist sie wenigstens gut erfunden und kann zu einer Erklärung des Spitznamens der Plänkschter immer herangezogen werden.

Erzählt wurde die Geschichte vom früheren Rektor der Friedrichschule, Berthold Fertig, anläßlich eines Vortrages im Rahmen der 1200-Jahrfeier im Jahre 1971 und seinen Worten zufolge hatte er sie einem Aufsatz, der in der Schule geschrieben wurde, entnommen. Leider ist der Verfasser dieses Aufsatzes nicht genannt worden.

Der Vetter Hahn – der Hahne-Schuhmacher – erzählte, der Uznamen "Backenbläser" sei im Hofe seines Hauses in der Wilhelmstraße 1, da wo heute die Bezirkssparkasse ihr Domizil hat, entstanden und zwar bei seinem Urgroßvater, von dem er die Geschichte überliefert bekam. In früheren Zeiten seien allerhand fahrende Händler auf den Hof gekommen, darunter Silbersandmänner, Siebverkäufer, Meerrettichhändler, Handkäs-Vettere, Kappenmacher, Mausefallenhändler, Schirm- und Kesselflicker, Scherenschleifer und auch ein Peitschenverkäufer aus Polen. Trotz ihrer welschen Sprache waren die Polen recht erfolgreiche Händler.



Eines Tages aber wollte sich der Bauer partout keine neue Peitsche aufschwatzen lassen und fauchte den hartnäckigen Peitschenverkäufer an: "Unsa Geil sin brav, die brauche koa Beitsch – un du bisch in schlechta Polack!" Der verteidigte sich so gut er eben konnte: "Ich bin guda Polack – aber du bisch schlechta 'Blos di Back'!" Über diesen Reim mußte selbst der Bauer mit seinen vollen Backen lachen und kaufte dem Polen dann doch noch eine Peitsche ab. Die umstehenden Nachbarkinder freuten sich über den Uznamen "Blos die Back" und formten ihn beim Weitererzählen um in "Backenbläser". Natürlich wurde die Geschichte auch in den Nachbarorten weitererzählt und kein Wunder: die Plänkschter wurden fortan Backenbläser genannt.

In den zahlreichen hinterlassenen Unterlagen von Gustl Stroh findet sich ein gereimter Text, dessen Urheber allerdings nicht genannt wird – vielleicht hat er ihn auch selbst gedichtet.:

Ja, mir Blängschder sin im ganze Land,
als Backenbläser wohl bekannt.
Rote Backe, runde G'sischter,
luschdische Aahre - Sunnelischder;
sehe aus wie's bliehende Leewe,
die volle Backe vun Gott gegeewe.
Schäne Grübsche do am Kinn
Und imma frehlisch unsern Sinn;
un immer genug Geld im Baitel,
so isch's - Gewitter – Dunnerkeitel.
Mea mache heiter immer weiter,
mir hewwe iwwahaubd kä Angschd –
Hoch lewe Blangschd!

Keine lyrische Meisterleistung vielleicht, aber als Hommage eines Plänkschters an seine Mit-Plänkschter allemal geeignet! - Mancherlei Eigenschaften, die sich hin und wieder auch in den Uznamen nierderschlugen, wurden den Menschen unseres engeren Heimatraumes zu Recht oder zu Unrecht nachgesagt, gehalten haben sie sich über die Zeiten allemal:

"Wer durch Schwetzinge kummt ned geûzt – in Blangschd ned gedûzt – in Ebbele ned vaschlage – der kann in Heidelberg vun Glück sage!"

Die Schwetzinger sin die "Bäckerlewel" (auch "Schloßgaadebangert"), in Oftersche gibt's die "Kienholzknorre", in Briehl die "Kollergrotte", in Ketsch die "Hewwel"; die Hoggema sin die "Sauerkraut" und die Seckema heeßt ma "Puhlzabbe"; in Reilinge lewe die "Käskuche" und "zwische Ebbla Höh' un Negga-Rase, hopse die Ebbla Schdallhase" – so ist das eben bei den Kurpfälzern, sie ziehen andere gerne auf, können zumeist aber auch etwas einstecken. – Eine Überlegung, wie Hockenheim zu seinem Namen kam, lautet so: "Als die kriegerischen Hunnen im 5. Jahrhundert aus den Steppen Zentralasiens nach Westen vordrangen, ließen sie vor der Überquerung des Rheins die Fußkranken zurück. Diese saßen nun niedergeschlagen seufzend in den Auwäldern und einer tat verzweifelt den Ausspruch: "do hogge ma" – so entstand der Name Hockenheim" – eben auch eine Erklärungsmöglichkeit für den, der es nicht besser weiß!

Überhaupt sollten diese ganzen Geschichten über die Uznamen mit einem Augenzwinkern aufgenommen werden und weniger mit dem historisch-kritischen Blick! Wenn man alten Geschichten zuhört, dann wird nämlich eines immer klar: bösartig waren sie nie gemeint!

uk, 21.November 2012



Plänkschter Anekdoten - Buchvorstellung



Veröffentlicht am 04.10.2012 in YouTube