Geschichten aus Plankstadt

Hier haben wir für Sie Wissens- und Lesenswertes von und über Plankstadt zusammengestellt .... zum Schmunzeln.
Viel Spaß dabei.



Erinnerungen an altes Brauchtum

Nun fällt sie also in diesem Jahr noch einmal aus: die Kerwe! Die Corona-Pandemie fordert ihren Tribut und so können wir nur erneut auf das nächste Jahr hoffen.

In den vergangenen Jahren hat sich das Gemeindearchiv immer wieder mal der Plänkschter Kerwe angenommen, über Herkunft, Geschichte und Terminfestlegung, über Kerwe-Brauchtum hier und anderswo berichtet und so die Erinnerung an diese alte Tradition aufrechterhalten.

Der Plänkschter Carnevalclub PCC hat ein übriges getan und nach Kräften zum Erhalt der Tradition beigetragen; ebenso in früheren Jahren die „Kerweborscht“, die, von Manfred Wettstein vom Handwerker- und Gewerbeverein angeführt, am Kerwemontag durch die Geschäfte zogen.

Vielerlei Gründe mögen für den Rückgang alter Traditionen verantwortlich sein; man denke daran, dass sich heute fast niemand mehr für den Kerwemontags-Frühschoppen („da högschde Feierdoag fa die Mannsleit“) freinehmen kann oder die Anzahl der Gastwirtschaften immer mehr zurückgegangen sind.

All diese Dinge wurden schon früher einmal beleuchtet, ebenso die Festlegung des Kerwe-Termins auf den 3. Sonntag im Oktober (wohlgemerkt: nicht das 3. Wochenende) durch "den Gemeinderath, den Bürgerausschuß und die versammelte Gemeinde", die am 26. September 1840 im Rathaus zusammengetreten, um die "weltliche Kirchweihfeyer dahier" zu beraten. Zu dieser Zeit zählte Plankstadt rund 1550 Einwohner, davon waren 256 Bürger. Nur letztere waren abstimmungsberechtigt.

Gerade auch an Kerwe darf an einen alten Brauch unter Geschäftsleuten erinnert werden, den man heute vergebens sucht – das Kundschaftsessen. Was versteht man darunter?

In früheren Zeiten war es nicht üblich, an Sonn- und Feiertagen in eine Gaststätte zum Mittagessen zu gehen. Selbst bei größeren Gesellschaften wie z.B. bei Erstkommunion oder Konfirmation, mitunter sogar bei Hochzeiten wurden eher die Möbel aus Wohn- und Schlafstube geräumt, um Platz zu schaffen für die Festtafel, als in Gastwirtschaften zu feiern. Es gab Köchinnen, die Erfahrung mit größeren Gesellschaften hatten und die wurden für solche Zwecke engagiert, wenn sie nicht sowieso zur Verwandtschaft gehörten.

Nun hatten aber viele Geschäftsleute Kunden unter den Gastwirten des Ortes oder der Umgebung, denen sie sich verpflichtet fühlten und die sie wenigstens einmal im Jahr mit ihrem Besuch beehren wollten. Man denke hier gerade an Getränkehändler, die schließlich die Gastwirte das ganze Jahr über belieferten. Außerdem ließen sich bei diesen Gelegenheiten auch Gespräche mit anderen Geschäftsleuten führen, die sich ebenfalls in den Gaststätten aufhielten.

Gerade das Kirchweihfest, die „Kerwe“, bot sich hier an, einmal in einer Gaststätte, mit deren Wirt man Geschäftsverbindungen pflegte, aufzusuchen und dort eine gute Zeche zu machen. Großzügige Geschäftsleute nahmen dazu sogar Freunde mit, damit die Zeche etwas größer ausfiel. Und vielleicht ließen sich gerade auch hier Verbindungen zu Gleichgesinnten am Nebentisch wieder auffrischen.

Dass wir es hier mit einer betriebswirtschaftlich relevanten Sache zu tun haben, zeigt die Tatsache, dass unsere Steuergesetze das Kundschaftsessen durchaus als wichtige Betriebsausgabe ansehen mit der Einschränkung, dass Kosten dafür nur abzugsfähig sind, wenn z. B. bei einem solchen Besuch der Inhaber einer Gastwirtschaft auch Geschäftsfreund ist und die private Veranlassung unbedeutend ist und die betriebliche Veranlassung nachgewiesen werden kann. (z.B. § 4 Abs. 5 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG))

So geraten viele Bräuche entweder in Vergessenheit oder sind auf Grund der heute gegebenen Umstände nicht mehr wie früher durchführbar.

Dazu gehört auch der althergebrachte Leichenschmaus im Anschluss an eine Beerdigung. Gaststättensterben oder Umwidmung von ehemaligen Nebenzimmern und Sälen oder auch die völlig veränderten Öffnungszeiten stellen Angehörige von Verstorbenen hier vor eine manchmal unlösbare Aufgabe.

Wo heute bestenfalls noch ein gemeinsames Kaffeetrinken in Frage kommt, war es früher üblich, die ganze Beerdigungsgesellschaft zu einem gemeinsamen Essen einzuladen. Dabei saßen alle zusammen und gedachten in Gesprächen oder auch mal in kleinen Anekdoten des Lebens des gerade zu Grabe getragenen. Damit wurde zum einen das Andenken wachgehalten und zum anderen die respektvolle und liebevolle Erinnerung gepflegt.

Natürlich gab es auch einen ganz pragmatischen Hintergrund: Viele Verwandte und Beerdigungsgäste mussten zum Begräbnis anreisen und waren gerade in alten Zeiten lange unterwegs - zu Fuß oder mit anderen früher üblichen Verkehrsmitteln; da war es ganz selbstverständlich, dass man als Trauerfamilie diese angemessen verköstigte, auch um sie für den langen Heimweg wieder zu Kräften kommen zu lassen.

Da bei Trauerfällen die ganzen anfallenden Beerdigungsmodalitäten immer auch Stress bedeuten, konnte dieser in gemütlicher Runde gut abgebaut werden. Und schlußendlich weist gerade der Leichenschmaus darauf hin, dass für die Hinterbliebenen und Trauernden das Leben mit seinen alltäglichen profanen Dingen weitergeht.

In diesem Zusammenhang kann man die Beerdigungszeremonien im Süden der USA erinnern, wo auf dem Weg zum Friedhof die Band Trauermusik spielte, auf dem Rückweg aber flotte Dixi - Töne zu hören waren! Ein deutlicher Hinweis auf den tröstlichen Gedanken, dass das Leben eben weitergeht!

Einen geeigneten Ort für den Leichenschmaus zu finden, wird in heutiger Zeit auch immer problematischer, wo die Gastronomie mehr und mehr auf dem Rückzug ist, keine passenden Nebenzimmer mehr haben. Und wenn man überhaupt etwas finden würde, sind diese Gaststätten heute tagsüber meist geschlossen. Wohlwollende Wirte öffnen auch schon mal extra für diesen Zweck am Nachmittag. Beerdigungsinstitute sind zum Teil schon dazu übergegangen, eigene Räumlichkeiten zu diesem Zweck anzubieten.

Der Autor erinnert sich an eine Fahrt durch Oberbayern in den 60-er Jahren, als ein kleiner Ort wie ausgestorben wirkte. Man entschloss sich, im einzigen still daliegenden Gasthaus eine kurze Pause einzulegen und war völlig überrascht, beim Eintritt festzustellen, dass die Wirtschaft überfüllt war und eine Trauergemeinschaft dort den Leichenschmaus abhielt – den Gesprächen war zu entnehmen, dass zwar getrauert wurde, aber auch an das Weiterleben gedacht wurde.

So wie hier dargestellt, ergeht es vielen alten Bräuchen und Gepflogenheiten. Dass sie aber auch in unserer Zeit fehlen, zeigt sich an den vielen literarischen Ratgebern, in denen ganz bewußt bestimmte Rituale zur Bewältigung von Lebenssituationen neu beschrieben, interpretiert und propagiert werden.

Uli Kobelke, 11.10.2021



Tiefbrunnen, Brückenwaage und Viehwaage

Wer über den Rathausplatz geht oder sich auf einer der dortigen Bänke ausruht, dem fallen immer wieder Kinder auf, die ein mit Planken abgedecktes Viereck auf dem Platz gerne als Spielplatz nutzen, denn die lauten Geräusche, die das Objekt beim Herumhüpfen von sich gibt, erfreuen die Kinder. Fragt man nach, was es mit diesem abgedeckten Objekt auf sich hat, so erhält man auch von älteren Plänkschtern gerne die falsche Antwort, dass hier früher die alte Brückenwaage der Gemeinde installiert gewesen sei!

Hier trügt die Erinnerung! Es handelt sich hierbei um einen Tiefbrunnen für Feuerlöschzwecke, denn Plankstadt verfügt ja über kein öffentliches Gewässer, aus dem man im Bedarfsfall Löschwasser entnehmen könnte. Die Brandkatastrophen von 1895 und 1900 können noch als Beispiel für den Wassermangel dienen, als Löschwasser aus dem Schloßgarten-Weiher in Puhl-Fässern mit Pferdegespannen herbeigeschafft werden mussten.

Plankstadt verfügt insgesamt über drei solcher Tiefbrunnen: am Rathausplatz, an der Hebelstraße (neben der früheren „Feldwanz“) und an der Bürgermeister-Helmling-Straße gegenüber der Einmündung Scipiostraße. Die Feuerwehr sorgt mit regelmäßigen Übungen dafür, dass die drei Brunnen für Notfälle immer technisch einsatzbereit sind. Auch die Abdeckungen müssen regelmäßig überprüft werden, dass sie nicht durch Witterungseinflüsse beschädigt oder gar einsturzgefährdet sind.

Über die Notwendigkeit der Tiefbrunnen heute will man gar nicht apokalyptisch spekulieren: Was wäre, wenn Computer-Hacker das Stromnetz außer Betrieb setzen und keine elektrische Pumpe in der Region mehr einsatzbereit wäre – wie käme die Bevölkerung dann an Wasser wenn nicht über die Tiefbrunnen, die mit Diesel-Aggregaten betrieben werden können?

Wie kommt es aber, dass der frühere Standort der Brückenwaage fast völlig in Vergessenheit geraten ist? Vielleicht gilt hier die alte Weisheit: „Aus den Augen, aus dem Sinn!“

Die alte Brückenwaage für Fuhrwerke oder LKW’s befand sich zunächst direkt vor dem Rathaus vor den Fenstern des alten Ratssaales (des späteren Bürgerbüros). Die Technik für die Waage befand sich im Innern des Haus an der Wand des Bürgersaales.

Noch bevor 1961 das Feuerwehrgerätehaus erbaut wurde wurde die Brückenwaage 1957 auf den Rathausplatz verlegt, denn vor dem Rathaus war sie aus verkehrstechnischen Gründen nicht mehr sinnvoll. Im Innern der Scheune der Schreinerei Büchel befand sich in einem kleinen Raum die Technik der neuen Brückenwaage, die damals 19.000 DM kostete. Als später mit dem Abriss der Scheune und des Rathaus-Cafes der gesamte Rathausplatz umgestaltet wurde, musste auch die Brückenwaage weichen. Seither gibt es keine gemeindeeigene Brückenwaage mehr.

Mit dieser Brückenwaage nichts zu tun hatte die öffentliche Viehwaage, die auch nach der Tabakernte von den Bauern zur Tabakverwiegung genutzt wurde. Vielleicht erinnern sich noch die Älteren daran, wie Hauptstraße bis über den Gasthof Adler hinaus und die Luisenstraße mit beladenen Tabakfuhrwerken vollstanden. Die Tabakwagen wurden durch eines der beiden großen Tore des Rathauses hineingeschoben, der Tabak wurde auf die zwischen den Toren befindliche Viehwaage geladen und dann wieder auf den leeren Wagen aufgeladen.

Die Zunahme des Straßenverkehrs machte diese Tabakverwiegungen an diesem Ort obsolet und so wurde der Tabak dann ab 1957 im Raiffeisen - Lagerhaus an der Ecke Scipio- /Helmlingstraße verwogen. Später, nachdem das Lagerhaus aufgegeben worden war, fanden die Verwiegungen auf dem Wiegand-Hof am Alsheimer Weg und danach auf dem Hof von Kurt Hallwachs statt. Heute verwiegen die letzten verbliebenen Tabakbauern Andreas und Rolf Hallwachs ihren Tabak auf ihrem Hof – auch technisch hat sich bei der Verwiegung einiges geändert.

Auf dieser ehemaligen Tabakwaage im Rathausanbau wogen die Plankstädter Metzger an Schlachttagen am Morgen des Schlachttages auch das lebende Vieh und das Quieken der Schweine war in der Umgebung gut zu vernehmen. Als der Rathausumbau anstand, musste auch der in der Remise entlang der Wilhelmstraße befindliche Bauhof weichen. Neben dem Feuerwehrgerätehaus und hinter dem Gasthaus „Zum Löwen“ richtete sich der Bauhof der Gemeinde ein – also über der heutigen Tiefgarage, wo nun eine kleine Gartenanlage entstanden ist. Das Eingangstor zum Bauhof war an der Stelle der heutigen Abfahrt zur Tiefgarage. Dort wurde 1962 die Viehwaage installiert und das Schlachtvieh wurde nun dort gewogen.

Man kann sich heute richtig vorstellen, dass die quiekenden Tiere heutzutage am frühen Morgen den Unmut und den Protest der umliegenden Bewohner hervorrufen würden. Immerhin wurden damals an Schlachttagen beim einzelnen Metzger ca. 10 – 12 Schweine angeliefert und nicht alle Tiere wollten immer so, wie sich die Metzger das vorstellten. Innerörtlich wäre das heute nicht mehr vermittelbar. Öffentliche Lebendverwiegungen am Schlachttag selbst sind auch nicht mehr erforderlich, da man bei den Tieren vom Lebend- zum Schlachtgewicht übergegangen ist und dies technisch und rechnerisch anders organisiert hat.

Auch wurden damals die Metzger aus Rationalisierungsgründen aufgefordert, die Schlachtung den regionalen Schlachthöfen zur besseren Auslastung zu überlassen. Alle wissen, was passierte: Heute haben die meisten Schlachthofe wegen zu geringer Auslastung geschlossen (siehe Mannheim) und die Tiere werden beispielsweise im Schlachthof Bruchsal geschlachtet und die Teile dann an über weite Strecken an die Metzger geliefert. Ob das einer heute so sehr gewünschten Nachverfolgung der Herkunft des Fleisches wirklich dienlich ist, sei dahingestellt.

Uli Kobelke, 11.10.2021



Die Plänkschder und ihr Wasserturm - Eine Hommage an einen liebgewordenen alten Begleiter durchs Leben

Wie die meisten Menschen, verreisen auch die Plänkschder gerne und fahren in Urlaub. Und wie das so ist, denkt man im Urlaub auch mal gerne an daheim, an die Heimat, an das Vertraute. Wie groß aber ist die Freude vieler Plänkschder, wenn sie – vor der Autobahn kommend – schon aus der Ferne den heimatlichen Wasserturm erblicken. Seit einigen Jahren kann man dies sogar während der Nacht, denn der Plänkschder Wasserturm ist beleuchtet und strahlt in der Dunkelheit weit in die Nacht hinaus! Ja, der 48 m hohe Turm (incl. Wetterfahne) ist schon ein echtes Wahrzeichen der Gemeinde.

Wie oft hört man heimgekehrte Zeitgenossen sagen: „Wu isch vun do drauß vum Hegenich unsan Wasserturm g’sehe heb, do heww’isch gewisst: ‚Awwl sim‘ma widda dahoam!‘“

Die starke emotionale Bindung an ‚ihren‘ Wasserturm einte die Plänkschder schon vor 100 Jahren, als die Wasserversorgung auf Drängen des Großherzoglichen Bezirksamtes wegen der stark gewachsenen Gemeinde in Angriff genommen wurde. Angedacht war eine gemeinsame Wasserversorgung mit Eppelheim; diese wurde jedoch 1905 vom Bürgerausschuss mit 39 : 17 Stimmen abgelehnt – Grund dafür waren finanzielle Fragen, aber auch der umstrittene Standort eines gemeinsamen Wasserturms. Das Votum war jedoch nicht gegen eine Wasserversorgung gerichtet, sondern es war ein Votum gegen eine Gemeinsamkeit mit Eppelheim.

Hierzu muss man eigentlich wissen, dass es in damaliger Zeit häufig zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen Plankstädter und Eppelheimer jungen Männern kam, wenn es bei Tanzveranstaltungen zu Meinungsverschiedenheiten um die Gunst der Mädchen kam. Diese wurden oft auf der „Eppler Höh‘“ zwischen Plankstadt und Eppelheim ausgetragen. Heute noch an den Bodenerhöhungen zu erkennen, lag dieser Ort dort, wo 1927 die Straßenbahn-Ausweiche entstand oder in unserer Zeit das inzwischen auch schon wieder stillgelegte neue Eppelheimer Wasserwerk seinen Standort hatte.

Und viele kennen sicher auch noch die alte Liedstrophe aus dem Lied „Uff da Schwetzinger Brick, mit da Datschkapp im G‘nick“, wo es da heißt „…ja der Plänkschter Asphalt, der isch glatt, glätter wie glatt – unn die Eppler Weiwer hewwe die Flitsch im Sack“ – alles längst überholte Persiflagen auf nie ganz ernst gemeinte Ressentiments, aber immer mit einem Körnchen Wahrheit hinsichtlich alter Rivalitäten dabei. Vielleicht hing das auch alles damit zusammen, dass Plankstadt in alter Zeit von der Landwirtschaft geprägt war und Eppelheim als das „Maurerdorf“ bekannt war, also ein Hinweis, dass dort vielleicht viele Zugezogene lebten.

Viele historische Erkenntnisse aus damaliger Zeit verdanken wir den akribischen Recherchen des verstorbenen Gemeinderats Ulf-Udo Hohl, der anläßlich des 100-jährigen Wasserturmjubiläums 2007 eine kleine Broschüre über den Turm verfasste.

Dass der Turm überhaupt in die kulturelle Szene Plankstadts nach über 20-jährigem Dornröschendasein einbezogen wurde und dort diverse Ausstellungen stattfinden konnten, ist einer Initiative der Grünen Liste Plankstadt (GLP) zuzuschreiben, deren Mitglieder mit viel Energie und Schweiß das Erdgeschoß des Turms in Eigenarbeit herrichteten und so überhaupt nutzbar machten. Auch das Kulturforum ermöglichte später so manche Kunstausstellung während der vergangenen Jahre im Wasserturm.

Die bisherigen Turmrenovierungen innen und außen kosteten die Gemeinde viel Geld und werden auch weiterhin ordentlich zu Buche schlagen, denn die nächste Innenrenovierung ist ja schon konzipiert. Aber diese Investitionen sind es der Gemeinde für ihr Wahrzeichen auch wert. Der heute schön gestaltete Außenbereich und die Beleuchtung des Turmkopfes geht auf Bürgermeister Jürgen Schmitt zurück, der diese Maßnahmen während seiner Amtszeit initiierte und umsetzte.

In vielen Erzählungen aus alter Zeit spielt der Turm immer eine wichtige Rolle. Wer in seiner Nähe wohnte, war nicht nur vor Blitzeinschlägen einigermaßen sicher, sondern betrachtete besonders in jungen Jahren den Turm immer auch als Sehnsuchtsobjekt, denn welcher Jugendliche hätte nicht einmal gerne den Turm erklommen und sich einen Überblick über seine Heimatgemeinde verschafft. Wurden früher ganze Schulklassen zur Führung in den Turm gelassen, so ist das aus Sicherheitsgründen heute nicht mehr möglich. Spätestens seit der Turm 1980 seine Funktion verloren hatte, dämmerte der Turm nun ohne Funktion meist unbeachtet vor sich hin.

Zu Fragen gab er immer Anlass: So war für einen Besucher aus Südtirol rätselhaft, welche Funktion diese Türme in unserem Raum haben könnten. Erst beim Hinweis, dass die Südtiroler in ihrer Bergwelt keine Probleme bei der Anlage höher gelegener Wasserreservoire zum Druckaufbau in der Leitung haben, war ihm der Zweck dieser Türme klar.

Zu den Nachbarn des Turms gehörten die Gemeinderäte Gerhard Waldecker, der im Schatten des Turmes in der Schillerstraße das Licht der Welt erblickte und Ulrike Breitenbücher, Abt Fidelis Ruppert OSB oder die Bürger Rektor Berthold Fertig, die Ochse-Zwillinge, Horst Waber, Karl-Heinz Engelhardt; Rektor Ludwig Grimm, Rektor Kurt Simm, Dr. Anna Rösch, Dr. Paul Bönner, Dres. Ernst und Helene Klehr, Dr. Josef Goldhofer, Dr. Werner Goldhofer, Dr. Gottlieb Treiber und Gunther Treiber, Gemeindearchivar Ulrich Kobelke und viele andere, die als Kinder jahrelang oder manche gar „lebenslänglich“ in unmittelbarer Nachbarschaft wohnten und noch wohnen. Später auch Bürgermeister Nils Drescher, der nur eine Ecke weiter seine Kindheit verbrachte und zusammen mit seinem Zwillingsbruder Jens bei Einkäufen in der Bäckerei Stinzing (später Heibl) sehnsüchtig am Turm hochblickte und zu gerne hinaufgestiegen wäre. Kein Wunder also, dass es zu den ersten Tätigkeiten von Bürgermeister Drescher gehörte, nach seiner Wahl erstmal diesen alten Wunsch in die Tat umzusetzen. Ob er allerdings damals beim Blick über Plankstadt an Schillers Gedicht „Der Ring des Polykrates“ dachte, wo es (in redaktioneller Abwandlung) heißt „Er stand auf seines Turmes Zinnen und schaute mit vergnügten Sinnen auf sein geliebtes Plankstadt hin“ und eine andere Zeile etwa so beginnt: „Dies alles ist mir untertänig, begann er zu seinen Amtskollegen …“ - das sei einmal dahingestellt und gehört wohl ganz in den Bereich der ironischen Spekulation!

Uli Kobelke, 16.03.2021



Plänkschda Dialekt für alle ?

Der 21. Februar ist seit dem Jahr 2000 von der UNESCO zum Tag der Muttersprache als Gedenktag mit dem Ziel der „Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit“ ausgerufen worden. Natürlich geht es hierbei um Sprachförderung als Zeichen kultureller Identität, um Förderung sprachkultureller Minderheiten und um den Erhalt der vom Aussterben bedrohten Sprachen. Und dazu gehören zweifelsohne auch die Dialekte, denn sie bedeuten für viele Menschen eben auch Muttersprache; die Differenzierung zwischen Hochsprache und Dialekt erlernt man oft erst später im Laufe seiner Schulzeit und seines Lebens.

Und wir erleben in den zurückliegenden Jahren, dass mit der Zunahme der Globalisierung und der rasant wachsenden Mobilität infolge unterschiedlicher Ursachen und ganz besonders im Zuge der Individualisierung und der damit oft verbundenen Vereinsamung des Menschen für viele der Dialekt eine neue wichtigere Funktion in der Identitätsfindung und der Heimatverbundenheit bekommen hat. So stellen wir fest, dass auch viele Lehrer in den Schulen dem früher ach so verpönten Dialekt wieder breiteren Raum im Rahmen der Unterrichtssprache widmen – sofern sie ihn selbst einigermaßen beherrschen.

Wie unsere Sprache ist auch der Dialekt einem permanenten Wandel unterworfen und wenn wir heute versuchen, unseren Plänkschter Dialekt zu sprechen und zu verstehen, dann stellen wir fest, dass wir zwar noch Dialekt sprechen, dass es aber eine verfeinerte Form geworden ist, die auch der Dialektunkundige verstehen kann, wenn er es denn will.

Wir kennen das auch von Mundartstücken im Fernsehen aus anderen Regionen unseres Landes, die die Dialektsprache so angeglichen haben, dass sie überall zumindest verstanden werden kann.

Und natürlich gibt es auch in unserem Dialekt Ausdrücke, die gar nicht so leicht verstanden werden, auch nicht von jugendlichen Dialektkundigen. Nehmen wir einmal das Wort „setdanne“, was soviel bedeutet wie „dort oder dort drüben“. Wahlweise können auch Abwandlungen wir „dortdanne“ oder „setdriwwe“ angewandt werden. Oder versteht ein Nichtkurpfälzer vielleicht auf Anhieb das Wort „awwel“, was ja soviel wie „eben gerade“ bedeutet. Oder die Worte „ebbes“, „nimmi“ oder „Hängsching“! Bekannt wurde auch das Wort „Gscherrabdriggelhanddieschl“ (Geschirrabtrockenhandtuch) - ein tolles Wort voll Liebe zur Heimatsprache. Und wenn dann der Kurpfälzer sich auch noch in hochdeutscher Sprache versucht „…Und hier ist unser Driggelschbeicher, wo wir unsere Wäsche driggeln!“ – da kommt der Dialektunkundige schon in Verständnisschwierigkeiten. Vom kurpfälzischen Allerweltswort „alla“ wollen wir gar nicht weiter räsonieren, denn da gibt es unzählige Variationen, je nach phonetischer Aussprache.

Eine besondere Erschwernis ist beim Schreiben der Dialektsprache bei uns besonders der Nasallaut, den ich hier einmal mit „oa“ kennzeichne. Wer ihn hört, weiß genau, was gemeint ist. „Woasch?“ In unseren regionalen Tageszeitungen tauchen Mundartglossen aus wie z.B. „De Kall“ aus Mannheim oder „der Wieschde-Peda“ aus Wiesloch. Wer versucht, diese Glossen zu lesen, merkt sofort, wie schwierig es ist, unseren Dialekt in schriftliche Form zu bringen. Und wer darüber auch noch mit anderen diskutiert, merkt sofort, dass sich Schreibweisen je nach Autor häufig unterscheiden und die Aussprache oft von Ort zu Ort verschieden ist.

Und so merkt jeder Plängschda sofort, wenn jemand „vun owwerunner“ (aus dem Rallieland zwischen Hockenheim und Karlsruhe oder „vun driwwe“ (überm Rhein) oder „vun drunne“ (Mannheim) kommt.

In einem früher veröffentlichten Text hat der Autor dies an den typischen Plänkschter geographischen Begriffen verdeutlicht. Hier ein kleiner Auszug:

Vor geht es vom Rathaus bis zur evangelischen Kirche oder Kreuzgasse (Eisenbahnstr./Eppelheimer Str.) – allerdings gilt für diese Orte je nach Standort auch drunne ("drunne an der Kreizgass') oder drowwe, während es zur katholischen Kirche vor oder nuff gibt; von der katholischen Kirche in Richtung Schwetzingen geht es schon wieder nauszus und ab dem Ortsende geht's dann niwwer! In den südlich gelegenen Ortsteil (Oberdorf) geht es – vom nördlichen Teil (Unterdorf) aus gesehen – meistens nuff und umgekehrt selbstredend nunner; die Bewohner des Unterdorfs wohnen drunne und die des Oberdorfs drowwe. Schwierig ist der Begriff hinnare einzuordnen; natürlich geht es in die Karl-Theodor-Straße hinnare, aber in der Beethoven-, Goethe-, den neuen Teilen von Schiller- und Bismarckstraße und Lessingstraße im Gewann Sandgarten wohnt man ebenso dahinne wie im Backoffegässl (Leonhardtsstraße) oder im Scipiogässel, wobei die sich an die Scipiostraße anschließenden Helmlingstraße bereits wieder drauß ist.

In die Eisenbahnstraße geht man naus (allerdings erst ab Einmündung Luisenstraße, in den anderen Teil geht man eher vor), ebenso wie in den Brühler- Grenzhöfer-, Wieblinger- und Eppelheimer Weg – überhaupt alle Straßen, die aus dem Ort hinausführen.

Das Gebiet Krummgewann zwischen der Lessingstraße und Schwetzingen (Ring-, Berliner-, Josef-Fleuchaus- und Paul-Bönner-Straße), sowie die Gegend Spitzäcker und Schwetzinger Weg links, also um das Caritas-Altenzentrum liegen auch wieder drauß, was damit zusammenhängt, daß zur Zeit der Entstehung der Begriffe diese Gebiete tatsächlich außerhalb des bebauten Ortsetters lagen. Dazu gehört auch der ganze Teil zwischen altem Ortskern und Eisenbahnersiedlung (Schwetzinger Weg rechts, Benzelgrund und Brühler We

Niwwer geht es nach Schwetzingen, Oftersheim, Eppelheim, Ketsch, Brühl, Friedrichfeld, Wieblingen und Edingen, wobei allerdings zu beachten ist, daß es zum zwischen Plankstadt und Edingen gelegenen Grenzhof naus geht. Eine Besonderheit bietet auch der Schwetzinger Stadtteil Hirschacker, dorthin geht es nämlich wie auch in die Schwetzinger Kaserne nunner und geht es nach Brühl noch niwwer, so liegt der direkt anschließende Mannheimer Ortsteil Rheinau schon drunne, denn nach Mannheim geht es immer nunner und nach Heidelberg geht es nei (z.B. ein Kranker liegt "drin in der Medizinische"); nach Wiesloch und Sandhausen niwwer, nach Hockenheim, Walldorf sowie in das gesamte "Rallieland" (Gegend von Hockenheim bis Karlsruhe) geht es nuff ("in Hoggene drowwe"), was sich über Karlsruhe, Freiburg bis Basel fortsetzt, während es an den Bodensee und nach Bayern schon wieder nunner geht. Nuff gelangen wir über Mannheim, Frankfurt und Hamburg an die Küste, während es in die Pfalz natürlich niwwer ("driwwe iwwerm Rhei'") geht. Entsprechend wohnen natürlich die Menschen entweder driwwe, drowwe oder drunne!

In die Landeshauptstadt Stuttgart fährt man – ja also eigentlich gibt es da gar keinen festen Begriff, vielleicht fährt man als eingefleischter Badener da besser überhaupt nicht hin und hat deshalb auch bewußt oder unbewußt keine exakte Ortsbestimmung vorgenommen, wer weiß!

Ja, so ist das mit der Plänkschter Geographie – über die schon in früheren Zeiten immer gerne philosophiert wurde - und hinzuzufügen ist der Vollständigkeit halber natürlich noch, dass sich die Begrifflichkeiten auch ändern können, je nachdem, von welchem Standort in Plankstadt aus man erklärt! „Unn, alles vaschdanne? - Des isch hald Muddaschbrooch!“

Uli Kobelke, 21.02.2020



LANDLEBEN: Fahrende „Geschäftsleute“ verkauften frisches Gemüse, Garn, Knöpfe und Schuhfett / Pferdeäpfel waren bei den Anwohnern sehr beliebt
Der „Hoasebelz“ sammelte die Felle

Plankstadt. In früherer Zeit war die Hasenzucht in der Bevölkerung weit verbreitet und der Stallhase war ein wertvoller Fleischlieferant für den häuslichen Festtagstisch. Davon zeugen auch Ausdrücke wie „Isch hoag’ da oani ins G’nick wie’eme Schdallhoas!“ (Ich hau’ dir eine ins Genick wie einem Stallhasen), was auf die Art der Tötung hinwies und natürlich auch im Gegensatz zu heute von jedem verstanden wurde. So gab es einen Mann – ich glaube, er kam aus Oftersheim, der regelmäßig mit seinem Fahrrad durch die Ortsstraßen fuhr und mit lauter und heiserer Stimme rief „Hoasebelz“, was sagen wollte, dass er die abgezogenen Felle der geschlachteten Stallhasen sammelte. Kein Wunder, dass er bei Jung und Alt nur „Hoasebelz“ genannt wurde. Die Felle hatte er dann gebündelt auf den Gepäckträger des Fahrrads geschnallt; manche waren schon getrocknet, andere, die aus frischer Schlachtung stammten, waren noch blutig. Zum Abschluss seiner Tour durch Plankstadt machte er immer Station im Gasthaus „Zum Löwen“ in der Luisenstraße 2 bei Josef Kolb, „beim Seppl“. Das Fahrrad lehnte außen am Gasthaus mitsamt den „Hasenbelzen“, die blutig vor sich hin tröpfelten. In damaligen Zeiten war das keinerlei Erwähnung wert, man stelle sich aber den Aufschrei der Entrüstung in heutigen Zeiten vor. Unartige Kinder wurden mit pädagogisch äußerst fragwürdigen Drohungen zur Raison gebracht, indem ihnen gesagt wurde „Wann ned broav bisch, helld disch da Hoasebelz!“ (Wenn du nicht brav bist, nimmt dich der Hoasebelz mit). Die „Erholungsaufenthalte“ im Löwen waren von unterschiedlicher Dauer und mehr oder weniger intensiv, bevor sich der „Hoasebelz“ wieder mit seiner manchmal noch bluttropfenden Last auf den Heimweg machte.

Verkauf aus Körben

Besonders in der Zeit nach dem Krieg gab es viele die sich einfallsreich ein Zubrot zu ihrer oft kargen Existenz verdienten. Aus dem Odenwald kamen die Handkäs-Vetter, die Handkäse aus ihren Körben an den Haustüren anboten; auch die Meerrettich-Männer, die Meerettich-Stangen aus dem Koffer verkauften, waren viel gesehen. Bekannt war auch „der Selb“ (Namensherkunft unbekannt), ein Mann, der auf dem Gepäckträger seines Fahrrades eine Holzkiste hatte, aus der er Knöpfe, Nähgarn, Schuhfett und -creme oder Schnürsenkel anbot und die Leute mit dem Satz „Schuhbändel odda Wix – ehr Leit’ braucht’a nix?“ zum Kauf zu animieren suchte. Fast jede Woche kamen Lumpen- und Alteisenhändler mit Messerschmidt-Dreirad-Klein-Lkw und sammelten Lumpen oder Eisen ein. Dafür gab es als Belohnung ein irdenes Töpfchen oder Schüsselchen (nur 2. Wahl natürlich!) zum Dank. Der Lumpensammler sammelte tatsächlich alte Lumpen, die kein Mensch mehr gebrauchen konnte, denn an eine Altkleidersammlung wie heute war in schlechten Zeiten nicht zu denken. Alles, was noch in irgendeiner Form verwertbar bar, behielten die Leute, denn Neuanschaffungen waren meist zu kostspielig. Aus der Pfalz kam wöchentlich viele Jahre ein Gemüsehändler und verkaufte in den Ortsstraßen frisches Gemüse, denn Supermärkte gab es noch nicht und die Kolonialwarengeschäfte wurden damals nicht täglich mit frischer Ware beliefert. Mit seinem Lieferwagen hielt er an diversen Punkten in Plankstadt und pries lautstark seine Ware an. Dies brachte ihm den Namen „Pälzer Krischer“ ein.

Düngemittel für den Hausgarten

Wer weiß heute noch, was ein „Knoddlkärchl“ ist? Plankstadt war früher ein Ort, in dem die Landwirte viele Pferde hatten und diese täglich bei der Feldarbeit einsetzten. Nun hinterlassen Pferde ihre Spuren in den Straßen. Pferdeäpfel, „Knoddl“ genannt, waren ein ausgezeichnetes Düngemittel für den Hausgarten und entsprechend begehrt bei denen, die keine Pferde hatten. Hatte ein Pferd seine „Knoddl“ auf der Straße hinterlassen, stürzten sich die Anwohner sofort auf diese und brachten sie in ihre Hausgärten. Es kam auch zum Streit, wer schneller an den „Knoddln“ war. War ein Pferdefuhrwerk schon von weitem zu hören, so lauerten manche schon mit der „Schibb“ (Schaufel) hinter dem Hoftor, denn vielleicht fiel vom vorbeilaufenden Pferd etwas ab. Mindestens zwei Männer sind mir noch in Erinnerung, die mit einem kleinen Wägelchen, dem Knoddlkärchl, durch die Ortsstraßen liefen und versuchten, schneller als die Anwohner zu sein und die „Knoddl“ für den eigenen Garten aufzusammeln. Der eine war ein etwas kleiner Mann mit einem Buckel, ein Heimatvertriebener, der nach dem Krieg auf der Flucht nach Plankstadt gekommen war, der sich abmühte, die „Knoddl“ zu bekommen. So ein Knoddlkärchl Marke Eigenbau würde heute unter dem Begriff „Bollerwagen“ firmieren und wäre im Handel für eine schöne Stange Geld zu erwerben, um dann Kinder darin spazieren zu fahren oder beim Herrenausflug am Vatertag dem Provianttransport zu dienen.

Heute ist es ein Ärgernis

Welch ein Unterschied zu heute. Pferdeäpfel gibt es ganz selten auf der Straße, höchstens beim Einsatz von Hochzeits- oder Freizeitkutschen und wenn die Pferde dann etwas hinterlassen, ist dies höchstens noch ein Ärgernis, das angezeigt wird und mit dem sich das Ordnungsamt oder die Straßenreinigung beschäftigen muss. Dafür finden wir heute jede Menge Hundekot auf den Gehwegen, den niemand beseitigt – zumindest äußerst ungern – und eine Verwendung dafür gibt es schon gar nicht. Schade, dass es zu all dem Beschriebenen keine Fotos mehr gibt, solche Dinge wurden damals nicht als fotografierenswert eingestuft, abgesehen davon, dass nach dem Krieg die wenigsten über einen eigenen Fotoapparat verfügten, denn viele der Apparate waren von den Besatzungssoldaten konfisziert worden.

Uli Kobelke, 03.06.2019



Plängschda Dialekt



Veröffentlicht am 18.06.2014 in YouTube



Ein Plankstädter Haus mit alter Tradition: Das ehemalige Gasthaus "Zum Hirsch" in Plankstadt

Geht man im Jahr 2014 in der Schwetzinger Straße am Haus Nr. 26 direkt neben dem Rathaus heute vorbei, so glaubt der Ortsunkundige dem äußeren Schein nach, er habe noch immer ein Gasthaus vor sich.

Dieser Eindruck täuscht jedoch: sei einigen Jahren ist das Gasthaus geschlossen und die Besitzer haben im Innern mit Einverständnis der Denkmalsbehörde bereits einige Veränderungen hin zur Wohnnutzung vorgenommen. Die Abmeldung des Gastgewerbes erfolgte zum 31. Dezember 2008.

Der Hirsch war die letzte Gaststätte in Plankstadt, die sich auf das sogenannte Realrecht berufen konnte, d.h. das Recht, eine Gaststätte mit Beherbergungsbetrieb zu führen, ruht auf dem Grundstück. Dieses Recht ist nicht an Personen gebunden, erlischt jedoch, wenn die Gaststätte länger als drei Jahre geschlossen bleibt. Früher lag ein solches Realrecht noch auf dem Gasthaus „Zum goldenen Pflug“ an der Ecke Ladenburger- / Eppelheimer Straße; dieses schloss jedoch bereits im Jahr 1938 und wurde 1978 aus verkehrstechnischen Gründen abgerissen. Es handelte sich beim Pflug um ein markantes Gebäude aus rotem Buntsandstein; bei Abriss wurden viele der Steinquader beim Bau der Grillhütte in der Gänsweid verwendet.



Und wieder kann man beim Hirsch einen wehmütigen Rückblick tun: Der Hirsch als Gasthaus im Zentrum war lange Zeit ein wichtiger Treffpunkt der Leute, der Gesangverein Amicitia hatte hier jahrzehntelang sein Domizil. Freitags war Singstunde und anschließend saßen die Sänger noch beim Bier zusammen, manche spielten eine Runde „Gselles“ – ein Kartenspiel, das heute fast ganz niemand mehr kennt. Der Stammtisch neben dem Kanonenofen vor der Theke war – wie in den anderen Gasthäusern auch – ein wichtiger zentraler Ort zum Meinungsaustausch – zumal man sich ja in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus befand.

Ein Wirtshaus alter Prägung steht für Geselligkeit und Politik gleichermaßen. Dieser halböffentliche Raum bot schon immer die Gelegenheit für konspirative Zusammenkünfte, in früheren Zeiten oft unter misstrauischer Beobachtung der Obrigkeit, die sich auch nicht scheute, Spitzel in die Wirtshäuser zu schicken oder die Versammlungsverbote aussprach. Man denke nur an den „Salmen“ zu Philippsburg, wo im Jahre 1848 Friedrich Hecker die „Forderungen des Volkes“ proklamierte. Vielerorts ist das Gasthaus der Versammlungsort politischer Eliten oder galt gar als kommunaler „Regierungssitz“, wenn das Amt des Bürgermeisters in Personalunion mit dem Beruf des Wirts ausgeübt wurde. Wahl-versammlungen fanden und finden in Wirtshäusern statt, wo schlagende Argumente durchaus auch mit Unterhaltungswert ausgetauscht wurden. Hier war eine besondere Art der „Ausdauer“ oft gefragt, wie sich der württembergische Demokrat Friedrich Payer (1847 – 1931) erinnert: „Trinkfestigkeit war für einen Kandidaten fast unentbehrlich…“. So symbolisiert der Stammtisch mit seinen ungeschriebenen Regeln bis heute die „volksnahe“ politische Kommunikation. –

Aber die Zeiten haben sich gewaltig geändert. Natürlich wird an Stammtischen auch heute noch Politik gemacht, aber wo gibt es diese alten traditionellen Stammtische überhaupt noch? Als Treffpunkt der überwiegend in der Landwirtschaft tätigen Männer nach vollendetem Tagwerk ist er längst passé; die Gemeinden sind überwiegend zu Schlafstätten der Berufspendler geworden und diese streben nach ihrer Heimkehr am Abend äußerst selten ins Wirtshaus, um sich mit anderen auszutauschen. Die meisten der noch bestehenden Gaststätten sind nicht mehr wie früher im Familienbesitz, wo alle Familienmitglieder den Betrieb durch ihre Mithilfe getragen haben. Die Gastwirte früher betrieben Landwirtschaft, die Ehefrau oder die Eltern führten tagsüber die Wirtschaft; oft waren die Wirte auch noch Metzger und verkauften ihre Waren in der angeschlossenen Metzgerei. Dagegen haben die Pächter heute hohe Kosten für Pacht oder Personal aufzubringen und können von ein paar Glas Bier am Abend nicht mehr leben. Das Gasthaussterben in ganz Deutschland bis hinein in die rein ländlichen Bereiche in Bayern und Norddeutschland spricht eine deutliche Sprache und in vielen Dörfern Deutschlands gibt es heute kein einziges Dorfgasthaus mehr.

Zurück zum Plänkschter „Hirsch“: Erstmals ist im Jahr 1743 auf dem Grundstück Schwetzinger Straße 26 ein Gasthaus „Zum goldenen Hirsch“ nachzuweisen. Der Landwirt Valentin Gaa, Straußwirt und Maurermeister, betrieb das Haus. Durch die „Churfürstlich Pfälzische Hofkammer“ wurde seinem Sohn Adam Gaa am 12. Oktober 1782 für das Grundstück das Realrecht verliehen. An Georg Adam Gaa Witwe wurde am 13. April 1828 das Schildrecht verliehen.

Als Gebäudefläche besteht das Grundstück seit 1570 fast unverändert, wobei es natürlich kleinere Grenzveränderungen gab. Wie fast alle Grundstücke im Ortsetter stand auch dieses Grundstück im Eigentum des Zisterzienserklosters Schönau, bzw. der Pflege Schönau als Rechtsnachfolgerin und wurde wohl im 13. Jahrhundert erstmals zur Bebauung freigegeben. Um 1570 bildete das Grundstück den westlichen Ortsrand von Plankstadt und stieß hinten auf die „Keesgrüben“. Beständer war damals ein Hans Bechtold. Auf dem danebenliegenden Grundstück des heutigen Rathauses ist nach Renovationsbüchern erstmals 1613 ein Wohngebäude festzustellen und 1743 ist auf der Fläche der heutigen Wilhemstraße und des Sparkassengebäudes (vormals Anwesen Jakob Hahn) ein Wohngrundstück verzeichnet. Ortserweiterungen vollzogen sich in früheren Jahrhunderten viel langsamer als heute und das Gasthaus Hirsch rückte erst im Laufe der Zeit ins Ortszentrum. In den Akten des Gemeindearchivs taucht der Hirsch immer wieder auf; 1780 etwa als Wirtschaft und Krämerei. Der vordere Teil des Hauses wurde von Adam Gaa 1834 erbaut. In die Hände der Familie Heid, die bis heute Besitzer ist, kam das Haus im Jahre 1908. Es ist bemerkenswert, dass dieses Gasthaus in den 220 zurückliegenden Jahren lediglich im Besitz nur zweier Familien war.

Eine umfassende Neuregelung erfuhr das Gaststättenrecht im 19. Jahrhundert. Nach 1834 unterschied man drei Wirtschaftsrechte: Gastwirtschaften (Speise, Getränke, Beherbergung), Schank- und Speisewirtschaften – Restaurationen – (Speise, Getränke), Bier- und Branntweinwirtschaften (auch kalte Speisen). Ab dem Jahr 1870 sollte das Realrecht nach einem Gesetz nicht mehr verliehen werden. Bestehende alte Rechte erloschen, wenn das Haus länger als fünf Jahre, nach heutigem Recht länger als drei Jahre geschlossen bleibt.

Man mag heute beim Anblick des geschlossenen Gasthauses „Zum Hirsch“ in wehmütigen Erinnerungen schwelgen – zu ändern aber wird die nun geschaffene Realität schon durch die Umbaumaßnahmen im Innern nicht mehr sein.

uk, 24. September 2014



Plankstadt von oben



Veröffentlicht am 01.01.2014 in YouTube



Sprachliche Kursiositäten im Plänkschder Dialekt

Manchmal, wenn man mit älteren Plänkschdern ins Gespräch kommt, tauchen hin und wieder Worte auf, die man selten hört oder benutzt, auch wenn man des Plankstädter Dialektes mächtig ist und ihn auch täglich spricht.

Eines dieser Worte benutzte ich spontan kürzlich beim Anblick eines Bekannten, der einen Hut trug. Nun weiß jeder, dass Hut nicht gleich Hut ist - es braucht hier nicht aufgezählt, welche unterschiedlichen Hutsorten man kennt und zu welchen Anlässen sie getragen werden.

Eine ganz bestimmte Art eines Hütchens, welches dem männlichen Haupt zur Zierde und zum Schutz gereichen kann, kennt man bei uns unter der Bezeichnung „Moarebroudhiedl“ (= Magenbrothütchen). Jüngere Plankstädter und besonders Auswärtige können sich zunächst mal unter dem Begriff gar nichts Konkretes vorstellen und können sich somit auch kein Bild dieser Kopfbedeckung machen.

Die meisten von uns wissen, was Magenbrot ist, nämlich jenes Süßgebäck, das seit dem 19. Jahrhundert an den Süßigkeitsständen auf Kerweplätzen, Jahrmärkten oderWeihnachtsmärkten feilgeboten wird. Mitunter ist es heute auch schon ganzjährig in den Regalen von großen Discounterketten zu sehen. Was hat dieses lebkuchenartige Gebäck, meist in Rautenform geschnitten und mit Schokolade überzogen, mit dem Magen zu tun? Die einfachste und vielleicht auch am meisten einleuchtende Erklärung ist, dass die darin enthaltenen Gewürzzutaten (Gewürznelken, Sternanis, Zimt und Muskatblüten) allgemein als magenfreundlich gelten. Übrigen hat der frühere Oftersheimer Bürgermeister und Heimatforscher Karl Frei (1913 - 2002) in seinem Buch „Schbrooch un Schbrisch“ den Begriff „Magen“ im Dialekt „Móóre“ mit einem Akzent über dem Buchstaben über dem ‚o‘ geschrieben, (ob es dafür aber eine feste Regel gibt, entzieht sich meiner Kenntnis); der Nasallaut „oa“ in unserer Gegend widersetzt sich eigentlich einer deutschen Schreibweise und am besten kommt man dahinter, wenn man das Wort im Dialekt laut vor sich hin sagt.

Schwieriger wird es, wenn man sich nun auf die Suche nach einem Zusammenhang mit einer bestimmten männlichen Kopfbedeckung, dem „Moarebroudhiedl“, also hochdeutsch ausgedrückt, dem „Magenbrothütchen“ macht! Um es gleich vorwegzunehmen: eine Erklärung hierfür gibt es nach langer Recherche nicht! Möglicherweise gab es Magenbrotverkäufer, die ein solches Hütchen trugen, vielleicht hatten auch manche männliche Besucher eines Volksfestes, die eine Tüte des Gebäcks erstanden, ein solches Hütchen zum „leichten Bieranzug“ oder zum „Freibierkragen“ auf - man weiß es nicht und dieses Geheimnis wird wohl auch im Dunkel der Geschichte bleiben!

Wie haben wir uns nun aber ein solches Hütchen vorzustellen? Zum Glück ist das Hütchen noch nicht ausgestorben und erfreut sich bei manchen Zeitgenossen auch heute noch großer Beliebtheit! Auch in der Künstlerszene ist es zu finden: So z:b. bei dem fränkischen Kabarettisten Frank-Markus Barwasser, der unter dem Pseudonym „Erwín Pelzig“ seine eigene Fernsehsendung hat. Auch der Comedian Tom Gerhardt als „Hausmeister Krause“ hat ein solches Hütchen als Erkennungsmerkmal. Und auch in die große Politik hat es der ehemalige DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker immer wieder eingebracht, wenn er nicht gerade mit russischer Pelzmütze zu sehen war. Und ganz selbstverständlich gab und gibt es auch hier bei uns in Plankstadt zahlreiche Männer, die ein solches Hütchen ihr eigen nennen konnten. Sicher wird dem Leser der eine oder andere einfallen.



Beispiel für ein „Moarebroudhiedl“ (= Magenbrothütchen)

Und schon sind zwei weitere Begriffe aufgetaucht, die heute längst nicht mehr an der Tagesordnung bzw. im aktiven Sprachgebrauch sind, der „leichte Bieranzug“ und der „Freibierkragen“. Allerdings kann man zu diesen Begriffen in der einschlägigen Literatur noch immer Erklärungen finden. So versteht man unter dem „leichten Bieranzug“ eine bequeme Hose, Hemd, Jackett (möglichst nicht zu einem feinen Anzug gehörend, sondern besser etwas Derberes). Vielfach bestanden diese Freizeitanzüge aus stark chemiefaserhaltigem Material, so dass sie bei wenig Eigengewicht von allein eine gewisse Festigkeit aufwiesen, trotzdem aber sommerlich leicht waren. Der „Freibierkragen“ gehört, wie der Name schon andeutet, zur Freizeitkleidung männlicher Teilnehmer bei Ausflügen, besonders im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts. Es handelt sich um den Hemdkragen, der über den Sakkokragen herausgeschlagen wird - meist eben bei feuchtfröhlichen Herrenausflügen - und der natürlich ohne Krawatte getragen wird. So konnte man in Zeitungsberichten oft lesen: "Beim Ausflug des Gesangsvereins „Stimmbruch“ trugen die meisten Freibierkragen zum leichten Bieranzug" - und jeder Leser wusste gleich, wie die Ausflügler gekleidet waren. In Zeiten, in denen die Jeans und das T-Shirt noch nicht ihren Siegeszug um die Welkt angetreten hatten, wies diese Art der Oberbekleidung zwar auf eine Freizeitveranstaltung hin, entbehrte aber dennoch nicht einer gewissen ‚Eleganz‘ und unterschied sich damals deutlich von der Werktagskleidung, zumal an Sonn- und Feiertagen, an denen Festtagskleidung noch obligatorisch war.

Ein weiterer Begriff, über den wir dieser Tage gesprochen haben, ist der „Kiechlbrodd“. Auch hier konnte ich mehrere Plänkschder finden, denen der Begriff nichts mehr sagte aber auch viele andere, die sich darunter jemand vorstellen konnten und die auch Namen nannten, die hier jedoch aus Datenschutzgründen geheim bleiben müssen. Unter einem „Kiechlbrodd“ verstanden meine Vorfahren einen meist nicht mehr ganz jungen Mann, natürlich unverheiratet und vielleicht auch etwas altmodisch oder konservativ in seinen Ansichten und seinem Habitus, der häufig noch recht von der Mutter abhängig ist, oft noch bei ihr wohnt und versorgt wird, ansonsten aber seinem Beruf normal nachgeht. Wenn der Kiechlbrodd dann noch auf „Awaddlsfieß“ daherkommt, ein unübersetzbarer Begriff, der sich wohl auf eine etwas auffällige Gehweise des so Angesprochenen bezieht, dann kommen wir leicht in den Bereich, in dem man andere ins Lächerliche ziehen möchte. Viele kennen ja auch den Ausdruck, wenn jemand mit etwas grobschlächtigem oder schwerfälligem Gang dazu noch sehr modische Schuhe trägt: „Oudewella Fieß un Parisser Schiehlin“ (= Odenwälder Füße und Pariser Schuhe). Überhaupt wird es leicht unübersichtlich, wenn wir uns auf das weite Feld der Schimpfworte begeben. Hier müsste dann unbedingt auch die „Broochkuu“ genannt werden, ein Schimpfwort für eine dumme Frau, wie Karl Frei ausführt, Wer kennt nicht das Schimpfwort für Lehrer, den „Haagseucher“ ? Ein früherer Schulleiter alten Schlages erklärte das Wort einmal so: „Früher gingen die Männer aus dem Wirtshaus lediglich vor die Tür, um ihr Wasser auf der Straße oder im Hof abzuschlagen. Der Lehrer aber, der ja (manchmal) zu den vielleicht etwas vornehmeren Honoratioren des Orts gehörte, ging ein paar Schritte weiter, um seine Notdurft im Schutz einer Hecke, also eine Haags, zu erledigen. So mag dieses Schimpfwort entstanden sein“

Sogar die Juristen wurden in solchen Fragen bereits bemüht: So musste sich vor einiger Zeit ein Gericht in Frankenthal in der Pfalz klären, ob die bei uns häufig angewandte Form des „Dabbschädels“ ein Schimpfwort ist oder eher doch nicht. Man wird in der Pfalz liebevoll als Dabbschädel bezeichnet, wenn man etwas falsch gemacht hat, was jedoch nicht unbedingt immer so negativ gemeint sein muss, wie es sich anhört.

Und in diesem Zusammenhang stieß ich im Gespräch mit P. Fidelis Ruppert auf ein Wort, das ich selbst nicht kannte und das er mir erläuterte. Es war das Wort „stiechem“. Es bedeutet so viel wie „heimlich“, auch „verstohlen“ und stammt aus dem Pfälzer und Elsässer Dialektgebiet, wo es auch in einschlägigen alten Wörterbüchern gelistet ist. (Beispiel: „Guck emol, wie der so stiechem do hinne steht!“ So werden ältere Leser sicher noch viele Begriffe finden, die heute aus unserer Dialekt-Sprache verschwunden sind. Sprache ist einem steten Veränderungsprozess unterworfen und so, wie wir heute neue Begriffe im Duden vorfinden, so sind in der Vergangenheit auch Begriff aus dem aktiven Sprachgebrauch verschwunden, die für unsere Vorfahren noch zum Alltag gehörten. Die heutige Mobilität der Menschen tut ein übriges, dass unsere Sprache nicht statisch bleibt, wie sie ist, sondern sich schneller verändert, als man dies aus früheren Zeiten gewohnt war.

Zum Schluss noch ein kleiner Exkurs in die Welt der Fauna: Unter den vielen Tierfamilien und Tierarten kommt gerade auch im Dialekt, aber auch weit darüber hinaus bis ins Hochdeutsche des öfteren eine Spezies vor, die doch einer genaueren Betrachtung würdig ist: Wer kennt ihn nicht - oder besser - wer kennt keinen „Schmalzdackel“, den es in vielfältigen Formen und Unterarten zu geben scheint? Über die Pfälzer „Elwetritsche“ wurde schon viel geschrieben, über den Schmalzdackel ist wenig Literarisches bekannt. Meist wird das Wort nur als Schimpfwort für einen sehr eitlen Mann gebraucht, der darüber hinaus noch ein paar zusätzliche Attribute auf sich vereinigt wie Gel im Haar (früher als Pomade oder Haarcreme bekannt), dandyhaftes Auftreten, mit Frauenversteher-Blick, penetrantes Süßholz-Raspeln bei jedem sich zeigenden Rockzipfel, säuselnde Stimme (besonders bei Balz-Versuchen) und was da noch alles so zusammenkommt. Frauen benutzen das Schimpfwort oft hinsichtlich einstiger Liebhaber („Und wegen diesem Schmalzdackel habe ich das Rauchen wieder angefangen!“). Aus der Filmwelt und noch mehr aus der Show- und Musikbranche kennt jeder natürlich einige Exemplare von Schmalzdackeln und oft ist sogar im engeren Lebensumfeld der eine oder andere typische Schmalzdackel zu finden. Beispiele können hier natürlich aus rechtlichen Gründen keine angeführt werden, aber bestimmt kennen Sie auch einen, oder etwa nicht?

Aus dem Bereich der Körperpflege ist auch noch der Pomadenhengst oder auch der Lavendel-Heinrich erinnerlich, Begriffe, die sich aus dem Wort selbst erklären.

Über das in der gesamten Kurpfalz universelle Bindewörtchen „alla“ brauchen wir hier nicht mehr zu räsonieren, dieses Allerweltswort für alle möglichen Gelegenheiten ist hinlänglich bekannt. Interessant aber auch Begriffe wie „awwl“ (für: soeben, jetzt, jetzt gerade) oder „nimmi“ und ersatzweise auch „nie määh“ (für: nicht mehr oder nicht) oder auch „ebbes“ für ‚etwas‘, die sich Nicht-Einheimischen nicht ohne weiteres aus dem Satzzusammenhang erschließen. Oder denke man an die Dialektwörter „nummä“ oder „narre“ - er kann damit etwas anfangen? Im Satzzusammenhang klärt sich vielleicht die Frage etwas: „Nummä mol koa Ängschd!“ oder „Narrä koa Ängschd!“ (Für beide Beispiele gilt die Übersetzung: „Nur keine Angst!“) Schwer nachzuvollziehen und schon gar nicht sprachlich deutbar, aber doch vorhanden!

Und so ließen sich sicher noch viele Dialektwörter finden, die wir ganz selbstverständlich in unserer alltäglichen Dialektsprache verwenden, ohne uns Gedanken zu machen, ob unser Gegenüber diese auch verstehen und sprachlich einordnen kann.

uk, 08. November 2013



Waschen in früheren Tagen

Heute kann jeder zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Waschmaschine füllen und laufen lassen – sofern er dabei nicht die Ruhe seiner Mitmenschen stört.

Früher war das ganz anders. Auf dem Dorf war ein Wochentag als Waschtag bestimmt worden. In aller Frühe wurde in der Waschküche oder im „Scheppl“ (= überdachter Schuppen) der große Kessel angefeuert, der das Wasser zum Kochen brachte.

In Brenken war die Wäsche – wohl vorsortiert nach Kochwäsche, empfindlichere Wäsche usw. – eingeweicht worden.

Wenn das Wasser heiß war, wurde die Wäsche erst mal gekocht und dabei immer wieder mit einem großen Holzlöffel umgerührt. Danach wurde sie Stück für Stück in einer Brenk mit einem Waschbrett und Waschmittel von Hand geschrubbt.

Später tauchte dann der Wäschestampfer, auch „Wäscheliesel“ genannt. Mit ihm wurde die eingeweichte Wäsche gestampft. Der Stampfer ersetzte das altertümliche Stampfen mit den Füßen.



Brenk und Wäschestampfer

In mehreren Gängen wurde die Wäsche danach mit kaltem Wasser gespült, bis das Waschmittel herausgespült war. Zu zweit wurden die größeren Stücke dann ausgewrungen und zum Trocknen aufgehängt.

Für die Wäsche einer Familie mit drei Generationen dauerte der Waschtag schon bis in den Nachmittag hinein. Oft waren es die Großmütter, welche die Hauptarbeit leisteten. Besonderheiten waren damals handgetriebene Wäschemangeln, bei denen die Wäsche zwischen Gummirollen ausgepresst werden – sie ersetzten das kräftezehrende Auswringen.

Die ersten Elektrogeräte beim Waschtag, waren die Schleudern, die mit hoher Umdrehungszahl das Wasser aus der nassen Wäsche herausschleuderten. Dabei war bei der Füllung der Schleudern auf Gleichmäßigkeit zu achten, da die Schleudern die Angewohnheit hatten, bei unsachgemäßer Füllung ihren Platz selbstständig zu verlassen, so dass man sie festhalten musste. Die ersten elektrischen Waschmaschinen hatten wenig Ähnlichkeit mit heutigen Modellen. Im Wesentlichen waren sie ein Ersatz für den alten Kessel; eine Heizschlange heizte das Wasser auf und mittels eines großen Plastikflügels wurde die Wäsche hin und her bewegt. Hier gab es auch ein Gerät, das eine Kombination aus Flügelwaschmaschine und Wäscheschleuder darstellte: die in der Waschmaschine gekochte Wäsche wurde nach dem Spülen (natürlich außerhalb der Maschine per Hand) in die Schleuder gefüllt und dort geschleudert.

Ein Vorläufer der Waschmaschine war auch eine Konstruktion, bei der per Handkurbel im Inneren eines Blechbehälters die Wäsche bewegt wurde. Der Behälter wurde dabei auf den Herd in der Küche gestellt und so beheizt.

Nur, wer noch Erinnerungen an die Waschtage in den 50er Jahren hatte, kann überhaupt ermessen, welche Arbeitserleichterungen die modernen Waschmaschinen von heute bringen.

Nicht erörtert sind hier natürlich die Situationen, bei denen die Waschtage infolge mehrerer Mietparteien organisiert werden und zeitlich festgelegt werden mussten.

Auch wer keinen Hof und keine Waschküche zur Verfügung hatte, dem blieb nichts anderes übrig, als die Wäsche in der Küche auf dem Herd zu kochen.

Für das Trocknen der Wäsche kam nur der Hof oder Garten, bzw. bei schlechter Witterung der Speicher in Frage.

uk, 12. September 2013



Was liegt denn da auf der Straße ?

Ältere Bewohner unserer Region würden uns für leicht verrückt oder zumindest für äußerst weltfremd halten, würden wir ihnen diese Frage stellen.

Denn jedes Kind konnte sie früher sofort und erschöpfend beantworten, lagen die Objekte – die Pferdeäpfel nämlich, mundartlich „Knoddl“ genannt - doch täglich auf den Ortsstraßen herum. Früher – das war zu Zeiten, als in Plankstadt und auch andernorts noch jede Menge „Gail“, also Pferde, beheimatet waren und die meisten Landwirte die Tiere noch als Arbeits- und Zugtiere verwendeten. Klar, dass man damals die Hinterlassenschaften dieser Tiere überall auf den Straßen fand. Niemand rümpfte die Nase oder betrachtete sie als grobe Verunreinigung, die der Verursacher oder sein Besitzer schnellstens zu entfernen hatte. Im Gegenteil, hörte man Hufgetrappel auf der Straße, standen manche schon mit der Schaufel (der „Dreggschibb“) hinter dem Hoftor, um nach eventuell anfallenden Knoddl Ausschau zu halten – denn, und auch das wusste jeder, die Knoddl waren ein ausgezeichnetes Düngemittel für den häuslichen Gemüsegarten! Da konnte es sogar vorkommen, dass sich Nachbarn darum stritten, wer nun als erster das Anrecht hatte, die Knoddl einzusammeln. Manche Buben verdingten sich als „Knoddlbuwe“, indem sie mit einem kleinen Wägelchen, dem „Knoddlkärschl“, durch die Straßen zogen und die Knoddl schnell aufzusammeln versuchten, bevor sie von den Anwohnern weggeschnappt wurden. Gegen ein paar Pfennige Taschengeld wurden die Buben die Knoddl dann daheim oder bei anderen Gartenbesitzern wieder los.





Eigentlich ist es aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar, wie wertvoll man damals diese tierische Hinterlassenschaft einschätzte. Dieses Denken ist den Menschen völlig fremd geworden. Vor Jahrzehnten entbrannte einmal in Oftersheim ein Streit (die Schwetzinger Zeitung berichtete damals) zwischen Reitern und Anwohnern aus den Straßen, auf denen die Reiter zum Ort hinaus in den Wald ritten. Ganz klar, dass auch hierbei immer wieder Knoddl auf den Straßen anfielen. Die Anwohner der Neubaugebiete sahen in den Knoddl lediglich eine Verunreinigung, die tunlichst zu unterbleiben hatte. Das wäre noch wenige Jahre zuvor undenkbar gewesen, als die Nicht-Landwirte noch hinterm Hoftor auf die Knoddl lauerten! Im Fernsehen ist heute manchmal zu beobachten, dass bei diversen Umzügen, an denen Pferde teilnehmen, den Tieren Säcke unter den Schweif gebunden werden, damit die Knoddl nicht die Straßen verschmutzen. - Und wann findet man diese Knoddl heute noch? Wo bewegen sich heute noch Pferde? Allenfalls vor Kutschen, die von Vereinsausflügen oder bei Hochzeiten zum Einsatz kommen. Und so werden wir den jungen Menschen von heute wieder gut erklären müssen, was da auf der Straße liegt, welchen Ursprung es hat und vor allem, welche Bedeutung es früher für die Menschen hatte. Die Pferde kümmert‘s nicht, sie haben da keinerlei historische Einordnungsprobleme. Für sie gilt: Was muss, das muss und zwar bestimmen sie den Zeitpunkt wie zu allen Zeiten selbst!

Die Älteren unter uns, die noch die alten Blumenpeter-Witze kennen, werden sich vielleicht noch an den Witz erinnern, als dem Blumenpeter von bösen Buben sein Knoddlkärschl geklaut und versteckt wurde. Verzweifelt suchte der Peter in ganz Mannheim sein Knoddlkärschl, bis er dann völlig erschöpft eine Zwangspause einlegte und dabei sein Wasser gegen einen Baum abschlug („wedda in Boam gebrunst hot“). Ein Mann sah dies und sagte mahnend ob dieser Untat: „Peter, des meschd ma ned, du woasch doch, der do owwe sieht alles!“ ( = das macht man nicht, du weißt doch, Gott sieht alles) .Schlagfertig antwortete der Blumenpeter: „Wenn des sou isch unn der alles sieht, dann woaß der sischer oa, wu mei Knoddlkärschl isch!“ (= Wenn das so ist und der alles sieht, dann weiß der sicher auch, wo mein Knoddlkärschl ist!)

Nun könnten sich die geneigten Leser trefflich darüber streiten, ob ein solcher Text über ein so anrüchiges Objekt seinen Platz im Mitteilungsblatt oder in der Zeitung oder gar auf der Homepage der Gemeinde finden muss. Aber mal ehrlich, liebe Leser, sonst ist es auch nicht immer der Weisheit allerletzter Schluss, was so täglich Eingang in unsere Medien findet – oder?

uk, 13.Juli 2013



Die Hausschlachtung

Bis weit in die 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein gehörte in ländlich geprägten Gemeinden wie Plankstadt die Haltung eines Hausschweins bei den Hausbesitzern einfach dazu.

Die Grundstücke waren so bebaut, dass dies auch problemlos möglich war: Im Hof gab es einen Schweinestall, ein Mistloch mit danebenliegendem Plumpsklo und - meist über dem Schweinestall einen kleinen Schopf ("ä Scheppele"), auf dem das Stroh für die Stalleinlage gelagert wurde.

Die meisten Arbeiter, die nicht Landwirte waren, betrieben neben ihrem Hauptberuf eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft mit einem oder zwei kleinen Äckern in der Feldflur; oft waren es gemeindeeigene Grundstücke, die nach dem Bürgerrecht den Ortsbürgern unentgeltlich zur Verfügung standen, die sogenannten "Rottstücker" (der Jahrgang 1902 war der letzte Geburtsjahrgang, der in den Genuss dieses Bürgerrechts kam), oder es wurden kleine Streifen von einem Bauern gepachtet. Verkauft wurden diese angepachteten Grundstücke eher selten, da die Landwirte meist einen guten Riecher für späteres Bauerwartungsland hatten und dann stiegen ja diese meist ortsnahen Flurstücke enorm im Wert.

Man kann sich das in heutiger Zeit nur schwer vorstellen: Da arbeitete ein Arbeiter den ganzen Tag in der Fabrik oder im Schwetzinger Bundesbahn-Ausbesserungswerk, hatte um 17 Uhr Feierabend, fuhr dann mit dem Rad nach Hause und begab sich, nachdem er seine Gerätschaften wie Hacke, Rechen, Sense, Sichel oder Harke (Kratzer) gerichtet hatte, zur Feldarbeit hinaus in die Plankstädter Flur. In den seltensten Fällen hatte er spezielle größere Feldbearbeitunsgeräte, denn er hatte ja kein Zugpferd und waren sie für bestimmte Arbeiten unumgänglich, musste er einen ihm bekannten Landwirt um Hilfe bitten. Dieser spannte dann sein Pferd ein und bearbeitete den Acker des Kleinbauern. Sowohl im Frühjahr bei der Vorbereitung des Ackers als auch bei der Ernte mussten diese Freundschaftsdienste in Anspruch genommen werden - man war also auf Gedeih und Verderb auf das Wohlwollen eines bekannten Landwirts angewiesen und es war auch selbstverständlich, dass man diesem dann bei dessen Ernte auch als Helfer zur Verfügung stand. Das Haupttransportmittel des Kleinstlandwirts war das Feldwägele, mit dem Saatgut im Frühjahr oder Ernteerzeugnisse im Spätjahr transportiert wurden - bis weit hinaus in die Gewannen Kleinfeld, Jungholz, Eimerbusch, Gehre und wie sie alle hießen.



Doch zurück zur Hausschlachtung:

Das Schwein als Allesfresser entsorgte natürlich alle Küchenabfälle auf natürlich Weise, zusätzlich waren Kartoffeln für die Aufzucht erforderlich, die in der Küche gekocht werden mussten. Mit etwas Glück erreichte das Schwein, dessen Stall natürlich täglich ausgemistet und mit frischem Stroh versorgt wurde, gegen Ende des Jahren die Schlachtreife mit einem Gewicht ab 150 kg, manchmal sogar bis über 200 kg. Die Aufzucht musste natürlich so erfolgen, dass diese Schlachtreife möglichst zur Winterszeit erreicht wurde, denn es gab in jener Zeit ja noch keine elektrischen Kühlmöglichkeiten in den Haushalten und bei kalter Witterung hielten sich die Schlachtergebnisse natürlich besser als bei sommerlicher Hitze. Haltbarmachung war nur durch Räuchern oder Pökeln oder, wie bei der Wurst, in Dosen möglich.

Wurde also das Hausschwein als schlachtreif empfunden, sagte man dem Hausmetzger seines Vertrauens Bescheid und dieser nannte dann einen Tag, an dem er Zeit hatte. Hausmetzger war früher ebenfalls meist ein Nebenberuf, denn da nur im Winter geschlachtet wurde, musste er ja auch in den übrigen Monaten einer Beschäftigung nachgehen. Wenn man Glück hatte, kannte man auch einen Berufsmetzger mit einer eigenen Metzgerei, der gegen geringes Entgelt die Hausschlachtung auch außerhalb seines Betriebes durchführte. Die Vorbereitungen begannen schon Tage zuvor. Der Kessel, indem sonst die große Wäsche am Waschtag gekocht wurde, musste blitzblank gereinigt werden; alle erforderlichen Schüsseln und Eimer ebenso. Am Tag zuvor wurde noch Kuchen gebackten, denn viele Metzger zogen nach dem Schlachten Kaffee und Kuchen der Schlachtplatte vor. Innerhalb der Familie waren die Aufgaben klar verteilt, jeder wusste, was zu tun war. Spezialausrüstung des Metzgers wurde am Tag zuvor mit dem Feldwägele oder dem 'Lannenkarch' bei ihm abgeholt. Dazu gehörte vor allem die Brühmulde, eine Art Badewanne aus Zink oder Holz, in welcher das tote Schwein mit heißem Wasser abgebrüht wurde, damit sich die Borsten besser lösten.

Auch der Messersatz des Metzgers gehörte dazu und auch die Wurstmaschine, die aber nicht elektrisch sondern von Hand betrieben wurde. Den Bolzenschussapparat, mit dem das Schwein betäubt wurde, brachte der Metzger aus Sicherheitsgründen erst am Schlachttag selbst mit. Auch der von der Gemeinde bestellte Fleischbeschauer musste verständigt werden, damit er am Schlachttag vorbeikam.

Am Schlachttag selbst herrschte schon in aller Frühe rege Aktivität, denn das Wichtigste war am Anfang jede Menge heißes Wasser und dazu musste der Kessel meist noch in der Nacht angefeuert werden, da es einige Stunden brauchte, eine so große Menge Wasser zum Kochen zu bringen. Die übrigen Utensilien wurden an den entsprechenden Plätzen gerichtet. Ganz wichtig war auch, das Schwein im Stall nicht durch allzu große Hektik und Lautstärke nervös zu machen, denn die sensiblen Tiere scheinen immer zu merken, wenn es ihnen an den Kragen geht und die Aufregung der Tiere wirkt sich auf die Qualität des Fleisches aus. Wenn dann der Metzger eintraf, ging alles recht schnell. Meist waren nur er und der Hausherr in der Nähe des Schweinestalls, wenn das Schwein herausgelassen wurde. Der Metzger sprach beruhigend auf das Schwein ein, das im Hof herumschnüffelte. Wenn er es an der Stelle hatte, wo dann die weiteren Arbeiten verrichtet wurden, setzte er ihm den Bolzenschussapparat vorsichtig auf die Stirn und drückte ab. Das Schwein fiel betäubt um und zuckte meist kräftig mit den Hinterbeinen. Mit einem Strick wurde es mit einem Hinterbein an einen Pfosten gebunden und schon kam die Hausfrau mit einer großen Schüssel und einem Eimer, denn der Metzger setze nun schnell den Halsschnitt in die Hauptschlagader des Schweins, damit es ausbluten konnte. Das herausschießende Blut, das ja später für die Blutwurst oder den Roten Schwartenmagen gebraucht wurde, musste sofort kräftig gerührt werden, damit es nicht stockte und damit unbrauchbar geworden wäre.

Das ausgeblutete Schwein, in dem nun kein Leben mehr war, wurde jetzt von den Borsten gereinigt. Dazu kam es in die Brühmulde und wurde mit siedendem (um die 80°, keinesfalls aber kochend) Wasser übergossen. Mit einer Kette löste der Metzger zunächst die größten Borsten, indem er das Tier durch kräftiges Hin- und Herziehen der Kette sozusagen "abrubbelte". Danach erst begann die Feinarbeit: mit sogenannten "Sauglocken", den typischen runden, glockenförmigen Schabemessern wurde das Schwein abgeschabt und mit scharfen Messern wurde die Haut nachbearbeitet, damit jede Borste verschwunden war, denn die Schwarten wurden ja später auch benötigt. War diese schweißtreibende Arbeit beendet - und es gehörte zum Stolz jedes Metzgers, ein einwandfrei sauberes borstenloses Schwein weiter zu verarbeiten, bedurfte es noch einmal größerer vereinter Kraftanstrengung, das tote und saubere Tier an den Hinterläufen aufzuhängen. Dazu hatte der Metzger wiederum Spezialwerkzeug, eine Art Bügel, der durch die Sehnen geschoben wurden. Die Sehnen waren dann stark genug, das Schwein in hängender Position zu halten.

Nun öffnete der Metzger den Bauch des Schweines mit einem großen Schnitt und holte zunächst die Eingeweide heraus. Die Därme, die man für die Wurst brauchte, wurden entleert, gereinigt, umgekehrt und danach bis zum Gebrauch gewässert, ebenso der Magen und die Blase. Nachdem die Arbeit an den Innereien beendet war, zerteilte der Metzger das Schwein in zwei Hälften und begann mit der Zerlegung. Wichtig war es, den Kopf und die entsprechenden Wellfleischteile schon mal ins kochende Wasser zu geben, damit das Wellfleisch oder Kesselfleisch auch bis zum Mittag fertig werden konnte.

Danach machte sich der Metzger an die Zerlegung der beiden Schweinehälften. Hier wurden die Stücke bereitet, die zur Aufbewahrung gelangten, die Teile, die für die Herstellung der Wurst gebraucht wurden, auch die Vorbereitung der Schinken gehörte dazu. Mittlerweile war auch der Fleischbeschauer da gewesen, um aus bestimmten Teilen des Schweins Proben zu entnehmen und diese unter dem mitgeführten Mikroskop auf Trichinen zu untersuchen. Was alles in Ordnung - und das war meistens der Fall - bekam das Fleisch einen Stempel und war somit für die weitere Verarbeitung und den Verzehr freigegeben.

Metzger, Hausfrau und ihre Helferinnen (meist waren es eben die Frauen) machten sich in der Küche oder der extra gereinigten Waschküche, so man eine hatte, an die Schneidarbeiten, die einsetzten, wenn das Fleisch im Kessel gegart war. Hier entstanden die Teile des Schweins, die für den Verzehr aufbewahrt wurden; die Grieben für die Griebenwurst von denen ein Teil gleich angeröstet und für die Küche diente. Die Fleischteile für die Wurst wurden hier geschnitten, die dann später vom Metzger zur Weiterverarbeitung gemahlen wurden.

Der Metzger, der eine kleine Kaffeepause eingelegt hatte, machte sich dann sogleich an die Herstellung des Wurstteigs. Dazu wurden die geschnittenen Fleisch- und Fettstücke durch den Wolf gedreht (lange Zeit per Hand) und in großen Schüsseln zum Wurstteig verarbeitet. Das Sortiment war überschaubar: neben der Bratwurst wurde meist nur Blut- und Leberwurst sowie Schwartenmagen (weiß und rot) hergestellt. Man darf annehmen, dass aus diesem Bereich der alte Spruch für einen nicht besonders intelligent gehaltenen Menschen stammt: "Der weiß ja noch nicht einmal, dass der Schwartenmagen die größte Wurst ist!" Denn der Magen des Schweins hatte nun einmal von allen Därmen den größten Durchmesser und war somit die größte Wurst. Der überwiegende Teil der Masse wurde später in Dosen abgefüllt, denn die Haltbarkeit der Wurst in den Naturdärmen war zwangsläufig begrenzt. Der Teil für die frische Wurst kam in die Wurstmaschine, aus der der Metzger die Masse geschickt in die gereinigten Därme presste und in entsprechender Länge mit der Schnur abband. Bei diesem Arbeitsgang geschah es oft, dass der Metzger den anwesenden Kindern "ein Würstel anmaß", das bedeutete, dass er mit dem Finger ganz schnell etwas von dem Wurstteig ins Gesicht schmierte, was diesen natürlich gar nicht gefiel. Dies war also der lustige Teil des Schlachtfestes. Der Begriff Schlachtfest hatte durchaus seine Berechtigung, war es doch ein besonderer Tag für die ganze Familie; die Schulkinder bekamen dafür auf Antrag sogar schulfrei; dafür bekam der Lehrer meistens auch seinen Anteil an Naturalien vom Schlachtfest! Die Blut- und Leberwürste wurden abgebunden und wanderten, nachdem das Kesselfleisch schon verarbeitet war, in den Kessel mit siedendem Wasser. Die Beaufsichtigung dieser Wurst war eine Kunst für sich, denn es war verpönt, Würste durch zu heißes Sieden aufplatzen zu lassen, denn diese hatte man dann ja nicht für die Zeit danach mehr. Andererseits wurde die Wurstsuppe nur dann richtig schmack- und nahrhaft, wenn der Inhalt einiger aufgeplatzter Würste darin enthalten war. Es war also wichtig, eine wohlschmeckende Wurstsuppe zu erhalten, aber auch genügend Würste aus dieser für den späteren Verzehr zu retten. Es ist anzunehmen, dass darüber oft so manche Meinungsverschiedenheit ausgetragen wurde. Der Rest der Wurstmasse aus Rotem und Weißem Schwartenmagen, Bratwurstfüllsel, Leber- und Blutwurst warteten schon den Dosen auf den Spengler, der mit seiner mobilen Maschine vorbeikam, um die Dosen luftdicht zu verschließen. Diese kamen zum Schluss ins kochende Wasser des Kessels, wo sie mehrere Stunden vor sich hin sieden mussten. Mit einem Markiereisen waren die Dosen zuvor mit Buchstaben gekennzeichnet worden, damit man später auch erkennen konnte, welche Wurstsorte sie enthielten.

Für die Schmackhaftigkeit der Wurst war der Metzger zuständig, der die Mengen der Gewürze aus seiner Erfahrung bemaß. Natürlich durften auch der Hausherr und die Hausfrau probieren und so ist verständlich, dass sich die Wurst von Schlachtfest zu Schlachtfest in Geschmacksnuancen unterschied. Dass dies auch von Metzgerei zu Metzgerei so war, erklärt sich von selbst, denn jeder Metzger brachte seinen persönlichen Geschmack in die Wurstherstellung mit ein.

War die Wurst im Kessel und wurde dort gut beaufsichtigt, konnte sich die ganze Gesellschaft mehr den leiblichen Genüssen zuwenden. Die ersten frischen Bratwürste schmurgelten in den Pfannen, das Wellfleisch duftete, Schnut', Rüssel, Bäckchen und anderes Fleisch dufteten zusammen mit dem Sauerkraut von der Platte und oft war frisches Brot gebacken worden - ein Genuss für den wahren Kenner und die ganze Familie ließ es sich schmecken - bis manchmal auf den Metzger, der, der vielen Wurst überdrüssig, lieber ein paar Rühreier oder einen Kaffee und selbstgebackenen Kuchen verzehrte.

Bei all der Arbeit durften natürlich auch Nachbarn, Verwandte und Freunde nicht vergessen werden. Diese kamen vorbei, sofern sie nicht sowieso mithalfen, und bekamen ihre Milchkanne mit Wurstsuppe, ihre Brat-, Blut- und Leberwürstchen und oft auch eine Portion Wellfleisch mit nach Hause. Eine ältere Frau berichtete, dass bei ihnen immer zwei Schweine geschlachtet werden mussten, weil die Eltern an die große Verwandtschaft so viel verschenkten, dass die Vorräte zu knapp geworden wären.

Geschafft, aber zufrieden hatten sich die ehemaligen Schweinbesitzer am Abend nur noch um die Versorgung der Produkte zu kümmern; die Schinken mussten für einige Wochen in Salz eingelegt werden, bevor sie vom Metzger geräuchert wurden, die Dosenwurst musste versorgt werden und die Würste wurden in Keller oder Speicher aufgehängt - natürlich so, dass Ungeziefer, vornehmlich Mäuse oder gar Ratten, keine Chance hatten, dran zu gelangen.

Und da wie überall, nach dem Schlachtfest auch vor dem Schlachtfest ist, wurde schon geplant, wann man das nächste Ferkel für die Aufzucht erwerben wollte.

uk, 20. Dezember 2012



Das „Feldwejjele“ (= Feldwägelchen) - Ein wichtiges Fahrzeug der Vergangenheit ist (fast) „ausgestorben“

Maigdscheeß, Feldwejjele, - das waren Begriffe, die einem eigenartigen Gefährt zugeordnet waren, das heute fast ganz aus dem Straßenbild Plankstadts verschwunden ist.

Neben einigen älteren Damen kann man aber einen immer noch häufig damit sehen: Hausmeister Erwin Gaa von der Friedrichschule befördert mit ihm nach wie vor Verbrauchsmaterial vom Rathaus in die Schule, wie auf einem Foto zu sehen ist. Die meisten Plänkschter verfügten früher über ein solches Gefährt und das war wichtig in einer Zeit, wo zumeist das Fahrrad das einzige technische Fortbewegungsmittel in den Haushalten war. Wie wir noch sehen werden, gab es häufig etwas zu transportieren und nicht jeder hatte gleich einen Bauern zur Hand, der ihm mit seinem Fuhrwerk behilflich war. Außerdem war das meist auch gar nicht nötig, denn die Lasten waren nicht so groß, dass man fremde Hilfe in Anspruch nehmen musste.

Die zwei eingangs genannten Dialektbegriffe Maigdscheeß und Feldwejjele zeigen deutlich den Verwendungszweck auf, für den diese Gefährte bestimmt waren. Zum einen boten viele Kleinbauern ihre Erzeugnisse auf dem Schwetzinger Wochenmarkt an und mussten diese natürlich dorthin befördern, zum anderen diente das Feldwejjele natürlich dem Kleinbauern dazu, seine Gerätschaften damit zu seinem Ackergrundstück in der Feldflur und Ernteprodukte von dort zurück nach Hause zu befördern. Wer als Nebenerwerbslandwirt nach seiner normalen Arbeitszeit gegen Abend aufs Feld ging, konnte keine zentnerschweren Kartoffellasten mehr einbringen, dazu reichte das Feldwejjele. Wollte man einen ganzen Acker abernten, bedurfte es sowieso der Mithilfe eines Bauern, der über Zugpferd und Wagen verfügte. Zwischen diesen beiden Fahrzeugen gab es noch den zweirädrigen Karren mit zwei Holmen, der mit eigener Muskelkraft gezogen oder geschoben wurde, den sogenannten „Lannekaisch“ oder „zwoarädderische Kaisch“, den sich jedoch nicht jeder leisten konnte und der auch weniger handlich als das „gattische“ Feldwejjele war.



Zunächst bestand das Feldwejjele aus einem geflochtenen quaderförmigen Korb, einem Untergestell aus Eisen und vier Holzrädern, die mit einem Eisenreif beschlagen waren. Viele der Wägelchen, die schon etliche Jahre auf dem Buckel hatten, liefen nicht besonders rund und hielten meist auch nicht die Spur, da alles etwas ausgeleiert war. Eine regelmäßige Pflege oder auch mal eine Erneuerung einzelner Teile war schon erforderlich. Ersatzräder gab es beim Wagner – z.B. beim Wagner Reiser in der Friedrichstraße. Eisenteile konnte man beim Schmied machen lassen und wenn der Korb defekt war, ging man zum Eduard Stripf, der zwar Bahnbeamter war, aber in seiner Jugend das Korbflechterhandwerk erlernt hatte. Wer sein Feldwejjele so immer „in Schuß“ hielt, konnte seine Dienste über viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Da die Holzräder mit dem Eisenreifen nicht nur reparaturanfällig und nicht gerade leichtgängig waren, wurden in späteren Jahren die Holzräder durch Gummiräder ersetzt, was die Fahrzeuge auch erheblich leiser werden ließ.

Über die eingangs beschriebenen Verwendungen des Feldwejjeles hinaus gab es noch viele andere Einsatzmöglichkeiten. In den Jahren, als es noch keine geregelte Müllabfuhr gab, der Abfall im Haus jedoch stetig anwuchs, fuhr man bei Bedarf mit seinem vollgeladenen Feldwejjele „ins Dreckloch“ – der Ausdruck „Schuttabladeplatz“ ist späteren Ursprungs und kaschiert nur leicht die Tatsache, dass man alles, aber auch wirklich alles, was im Haus entbehrlich war, dorthin schaffen konnte. Eine Mülltrennung, auch eine Trennung von Giftstoffen und anderem Abfall war völlig unbekannt und niemand wäre auf die Idee gekommen, sich über so etwas auch nur entfernt Gedanken zu machen. Damit im Dreckloch der Unrat einigermaßen geordnet – oder was man eben damals unter geordnet“ verstand – unter die Erde kam, sorgte ein Faktotum für diese Ordnung, die er natürlich selbst bestimmte. Erinnerlich ist in diesem Zusammenhang ein Mann mit dem Uznamen „Schuß“ sowie später der „Hasen-Jackl“, auch „Badschhändl“ genannt, ein arbeitsloser Behinderter, der mit seiner finster anmutenden, nicht sehr gepflegten Erscheinung so recht an diesen Ort zu passen schien. Mit einem „Kartoffelkratzer“ sortierten sie den Unrat etwas - wahrscheinlich bekamen sie für Altmetall noch ein paar Mark von einem Schrotthändler – und sorgten dafür, dass man beim Abladen aus dem Feldwejjele nicht den Abhang hinunter stürzte, da ja die Ränder des Lochs unbefestigt waren. Wenn der Großvater mit seinem Feldwejjele ins Dreckloch fuhr, so war das natürlich für Buben in der Nachkriegszeit schon ein kleines Abenteuer, denn zu sehen gab es meist etwas, was man noch nicht kannte, eventuell war auch etwas zu finden, was man „gut brauchen“ konnte und der Anblick des finsteren „Badschhändls“ machte den Gang ins Dreckloch sowieso für jüngere Buben zum kleinen Abenteuer!

Doch hatte das Feldwejjele noch weitere wichtige Aufgaben zu erfüllen: Die meisten Haushalte verfügten in der Nachkriegszeit noch nicht über die technisch ausgereiften Backöfen wie dies heute der Fall ist. Bei den Kohleherden war eine exakte Backtemperatur nur schwer zu erzielen und so brachte man die Kuchen oder auch selbst hergestelltes Brot zum Bäcker, um es dort fachkundig backen zu lassen. Dazu bedurfte es des Feldwejjeles, wenn es mehr als nur ein Kuchen war – und das war es bei großen Familien meistens. Auch Brot wurde ja nicht einzeln hergestellt, sondern es waren immer eine ganze Anzahl Laibe, die befördert werden mussten. Da aber die Backwaren im Rohzustand nicht gestapelt werden konnten, war für die Feldwejjelin eine besondere Vorrichtung vonnöten, die man natürlich auch in Eigenarbeit herstellen konnte. Es wurden am oberen Rand des Korbes zwei Halteschienen eingehängt und darüber wurde ein Brett in der Größe des Korbes gelegt. Auf diese Weise hatte man eine zweite Etage und konnte so mehrere Kuchen oder Brote zum Bäcker und wieder zurück befördern. Meist entwickelte sich in der Backstube auch noch ein Gespräch mit den dort anwesenden Bäckern und so bekam die wöchentliche Bäckerei auch einen durchaus wichtigen kommunikativen Charakter. – Man muss sich hier vor Augen halten, dass damals in den Backstuben auch noch nicht unbedingt im Akkordtempo gearbeitet werden musste; bei über 20 Bäckereien in Plankstadt war ein individueller Umgang mit dem Kunden noch selbstverständlich und Zeit für ein Schwätzchen blieb allemal. Heute dürfte der Kunde vielleicht schon wegen der Hygienevorschriften noch nicht einmal die Backstube betreten.

In Plankstadt gab es sogar noch eine berufliche Nutzung der Feldwejjelin: die beiden Ölverkäufer, der „Öl-Peter“ und die „Öl-Ricke“ fuhren mit ihren Wejjelin durch die Ortsstraßen und verkauften den Haushalten das Speiseöl in offener Form, das dann auf der Straße in die Flaschen abgefüllt wurde. Lange Zeit wurden auch Getränke in kleinen Mengen von der Firma Wiest mit dem Feldwejjele ausgeliefert und sogar vom Transport nach Hause nicht mehr ganz nüchterner Zeitgenossen mit dem Feldwejjele wird berichtet! Feldwejjelin wurden beispielsweise auch von Musikschülern genutzt, die ihr Akkordeon zum Unterricht zur Kolbs-Alice in den Waldpfad und wieder zurück befördern mussten. War etwas aus dem „Lagerhaus“ in Schwetzingen zu besorgen, kam selbstverständlich das Feldwejjele zum Einsatz, sogar um geringe Mengen Getreide in der Oftersheimer Mühle mahlen zu lassen, leistete das Feldwejjele seine Dienste. Einer zugezogenen jungen Dame lieh für einen Kleintransport der Dreschmaschinen-Schuhmacher großzügig sein Feldwejjele; als diese etwas pikiert das ihr unbekannte Gefährt betrachtete, meinte Friedrich Schuhmacher nur „Schäme dich des Evangeliums Jesu Christi nicht!“. Die junge Dame bezeichnete ab sofort das Feldwejjele zeitlebens als „Evangelium“. Natürlich war das Feldwejjele auch ein geeignetes Fahrzeug, um Trauben und anderes Obst in die Kelterei Hepp in der Friedrichstraße zu befördern, wo dann Most gepresst oder auch Schnaps gebrannt wurde.

Mit der Zunahme des individuellen Autoverkehrs verschwanden die meisten Feldwejjelin nach und nach aus den Ortsstraßen. Für die Autofahrer stellten sie sowieso ein Verkehrshindernis dar, denn man fuhr ja mit ihnen auf der Fahrbahn. Erzählt wird von einer Situation in der Hauptstraße, als ein alter Plänkschter mit seinem Feldwejjele auf den Straßenbahnschienen Richtung Kreuzgasse unterwegs war; hinter ihm natürlich eine Autoschlange, die wegen des Gegenverkehrs nicht überholen konnte. Ob auch die Straßenbahn zur Schlange gehörte, ist nicht mehr erinnerlich. So etwas konnte einen alten Plänkschter aber damals nicht erschüttern; mit einem „Die solle woarte bis Platz isch!“ oder gar „Die solle misch groad emoaschlegge!“ meisterte er souverän die brenzlige Situation.

Die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten des Feldwejjeles sind in heutiger Zeit nicht einmal von einem Autokofferraum zu überbieten; denn erstens war es leicht zu reinigen (was ja je nach Beförderungsgut beim Kofferraum nicht immer möglich ist) und zweitens kam man mit dem Feldwejjele auch dahin, wo man heute mit dem Auto nicht hinkommt.

Vorbei ist die Zeit der Feldwejjelin! Fristeten sie zunächst noch in Schuppen, Scheunen oder Remisen ein ungewisses Dasein, wurden sie nach und nach selbst zum Sperrmüll und wurden abgeholt oder – solange die Leute noch Kohleheizungen hatten – im eigenen Haushalt verbrannt. Einige wenige konnte man noch sehen, wenn mit ihnen ein paar Kleinkinder zum Kindergarten befördert wurden – eine Gaudi für die Kleinen! So hat die moderne Zeit mit ihrer Technik ein Fahrzeug verschwinden lassen, ohne dessen Existenz sich mancher vor einem halben Jahrhundert noch das tägliche Leben gar nicht recht vorstellen konnte. Zum Glück steht noch ein altes Exemplar im Plankstadter Heimatmuseum, denn sonst wüsste man eines Tages gar nicht mehr, was ein „Feldwejjele“ eigentlich war!

uk, 21.November 2012



Wie die "Plänkschter Backenbläser" (vielleicht) zu ihrem Namen kamen

Ob die folgende Geschichte der Wahrheit entspricht oder nicht, läßt sich natürlich nicht mehr nachprüfen, aber auch wenn sie nicht wahr sein sollte, so ist sie wenigstens gut erfunden und kann zu einer Erklärung des Spitznamens der Plänkschter immer herangezogen werden.

Erzählt wurde die Geschichte vom früheren Rektor der Friedrichschule, Berthold Fertig, anläßlich eines Vortrages im Rahmen der 1200-Jahrfeier im Jahre 1971 und seinen Worten zufolge hatte er sie einem Aufsatz, der in der Schule geschrieben wurde, entnommen. Leider ist der Verfasser dieses Aufsatzes nicht genannt worden.

Der Vetter Hahn – der Hahne-Schuhmacher – erzählte, der Uznamen "Backenbläser" sei im Hofe seines Hauses in der Wilhelmstraße 1, da wo heute die Bezirkssparkasse ihr Domizil hat, entstanden und zwar bei seinem Urgroßvater, von dem er die Geschichte überliefert bekam. In früheren Zeiten seien allerhand fahrende Händler auf den Hof gekommen, darunter Silbersandmänner, Siebverkäufer, Meerrettichhändler, Handkäs-Vettere, Kappenmacher, Mausefallenhändler, Schirm- und Kesselflicker, Scherenschleifer und auch ein Peitschenverkäufer aus Polen. Trotz ihrer welschen Sprache waren die Polen recht erfolgreiche Händler.



Eines Tages aber wollte sich der Bauer partout keine neue Peitsche aufschwatzen lassen und fauchte den hartnäckigen Peitschenverkäufer an: "Unsa Geil sin brav, die brauche koa Beitsch – un du bisch in schlechta Polack!" Der verteidigte sich so gut er eben konnte: "Ich bin guda Polack – aber du bisch schlechta 'Blos di Back'!" Über diesen Reim mußte selbst der Bauer mit seinen vollen Backen lachen und kaufte dem Polen dann doch noch eine Peitsche ab. Die umstehenden Nachbarkinder freuten sich über den Uznamen "Blos die Back" und formten ihn beim Weitererzählen um in "Backenbläser". Natürlich wurde die Geschichte auch in den Nachbarorten weitererzählt und kein Wunder: die Plänkschter wurden fortan Backenbläser genannt.

In den zahlreichen hinterlassenen Unterlagen von Gustl Stroh findet sich ein gereimter Text, dessen Urheber allerdings nicht genannt wird – vielleicht hat er ihn auch selbst gedichtet.:

Ja, mir Blängschder sin im ganze Land,
als Backenbläser wohl bekannt.
Rote Backe, runde G'sischter,
luschdische Aahre - Sunnelischder;
sehe aus wie's bliehende Leewe,
die volle Backe vun Gott gegeewe.
Schäne Grübsche do am Kinn
Und imma frehlisch unsern Sinn;
un immer genug Geld im Baitel,
so isch's - Gewitter – Dunnerkeitel.
Mea mache heiter immer weiter,
mir hewwe iwwahaubd kä Angschd –
Hoch lewe Blangschd!

Keine lyrische Meisterleistung vielleicht, aber als Hommage eines Plänkschters an seine Mit-Plänkschter allemal geeignet! - Mancherlei Eigenschaften, die sich hin und wieder auch in den Uznamen nierderschlugen, wurden den Menschen unseres engeren Heimatraumes zu Recht oder zu Unrecht nachgesagt, gehalten haben sie sich über die Zeiten allemal:

"Wer durch Schwetzinge kummt ned geûzt – in Blangschd ned gedûzt – in Ebbele ned vaschlage – der kann in Heidelberg vun Glück sage!"

Die Schwetzinger sin die "Bäckerlewel" (auch "Schloßgaadebangert"), in Oftersche gibt's die "Kienholzknorre", in Briehl die "Kollergrotte", in Ketsch die "Hewwel"; die Hoggema sin die "Sauerkraut" und die Seckema heeßt ma "Puhlzabbe"; in Reilinge lewe die "Käskuche" und "zwische Ebbla Höh' un Negga-Rase, hopse die Ebbla Schdallhase" – so ist das eben bei den Kurpfälzern, sie ziehen andere gerne auf, können zumeist aber auch etwas einstecken. – Eine Überlegung, wie Hockenheim zu seinem Namen kam, lautet so: "Als die kriegerischen Hunnen im 5. Jahrhundert aus den Steppen Zentralasiens nach Westen vordrangen, ließen sie vor der Überquerung des Rheins die Fußkranken zurück. Diese saßen nun niedergeschlagen seufzend in den Auwäldern und einer tat verzweifelt den Ausspruch: "do hogge ma" – so entstand der Name Hockenheim" – eben auch eine Erklärungsmöglichkeit für den, der es nicht besser weiß!

Überhaupt sollten diese ganzen Geschichten über die Uznamen mit einem Augenzwinkern aufgenommen werden und weniger mit dem historisch-kritischen Blick! Wenn man alten Geschichten zuhört, dann wird nämlich eines immer klar: bösartig waren sie nie gemeint!

uk, 21.November 2012



Plänkschter Anekdoten - Buchvorstellung



Veröffentlicht am 04.10.2012 in YouTube